¯\_(ツ)_/¯
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Zu Vodafone und ihren Drückerkolonnen kam hier noch ...

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Zu Vodafone und ihren Drückerkolonnen kam hier noch eine Schilderung rein, die schlecht für den Blutdruck ist.
Ich kann dir sagen, warum die nicht vom Fernabsatzgesetz getötet wurden. Weil die sich auf Flüchtlinge konzentrieren. Wir haben jetzt *endlich* unterbinden können, dass der ortsansässige [Telco]-Vertreter mit Kleinbussen in den Unterkünften einrückt und den Leuten in ihrer jeweiligen Muttersprache erklärt, warum sie in Deutschland einen [Telco]-Vertrag haben *müssen* weil Gesetz.
Wait, what?!

Naja, denkt ihr euch jetzt bestimmt, das wird ein fauliger Apfel sein, der wird wahrscheinlich aus Profitmaximierungsgründen Wildkapitalismus machen, das wird unmöglich auf Betreiben von einer seriösen Telco stattfinden. Wenn die das hören, sind die Verträge sicher sofort anulliert.

Nun, äh, nicht ganz:

Ich mach den Job jetzt 2 Jahre. Und es wird von Mal zu Mal schwieriger, diese Verträge annullieren zu lassen, im letzten Fall mussten wir tatsächlich die Stadt hier reinholen, weil die Kolonne der ahnungslosen Frau einen Internetanschluß in der Sammelunterkunft verkauft hat.

[Telco] wollte den Anschluß nur "kündigen" (2 Jahre Laufzeit…merkste selber, ne?). ICH wollte den Vertrag aufgehoben wissen (kein Eintritt der Wirksamkeit). Hotline 3x angerufen. "Ja, natürlich. Wir kündigen den Vertrag."

Schriftlich versucht, das Ding zu annullieren, aber erst als die Stadt mit Briefkopf bei [Telco] gefragt hat, ob die noch was merken haben die reagiert.

Kapitalismus im Endstadium! Das muss diese soziale Marktwirtschaft sein, von der man immer hört! Immer das Wohl der Menschen im Kopf!

Kann das jemand bestätigen? Welche Telcos machen sowas? Erfahrungsberichte willkommen!

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moschlar
2 days ago
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Zu meiner Frage nach Kunst in Zeiten des bedingungslosen ...

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Zu meiner Frage nach Kunst in Zeiten des bedingungslosen Grundeinkommens war das Ergebnis praktisch einstimming. Alle fanden, dass das gut wäre für die Kunst. Und nicht nur für die Kunst. Hier ist eine Einsendung dazu, die ich in Gänze mit euch teilen möchte:
heute schreibst du zum bedingungslosen grundeinkommen und fragst deine leser nach ihrer meinung.

ich möchte dazu schreien: JA BITTE HER DAMIT! damit ich endlich aus dem zwang herauskomme mein brot verdienen zu müssen. was dieser einsender geschrieben hat kann ich nur bestätigen. in meinem umfeld gibt es ebenso viele kreative menschen, die sich nicht entwickeln können, weil sie ihr alltag, der zwang ihr brot zu verdienen mit jobs die sie aus der not ausüben, um nicht vom rest der gesellschaft als schmarotzer tituliert zu werden, auffrisst. ich würde meinem burn out entkommen.

nach meiner erfahrung würden kunst und kultur explodieren, wenn die menschen von diesem zwang frei wären.

und nicht nur diese bereiche. alle anderen auch. ich arbeite im pflegeberuf und sehe, wie menschen täglich ohne menschlichkeit versorgt werden. gäbe es das grundeinkommen, kenne ich schon 2 kollegen, die kündigen würden und ihre arbeit ehrenamtlich weitermachen würden, weil ihnen dann nicht mehr von der leitung reingeredet werden könnte und sie sich den menschen menschlich nähern könnten.

heute morgen habe ich in der straßenbahn mit einem handwerker gesprochen. er würde sein handwerk unentgeldlich weitermachen, aber nach seinen regeln und nicht nach den vorschriften seines chefs, um dem umsatz zu steigern, sondern den kunden zu helfen. es wurde ihm verboten an die kunden simple tricks weiterzugeben, weil das den umsatz schmälere.

wenn du heute eine erfindung entwickeln willst, kann dich das in den bankrott treiben. beim grundeinkommen kannst du vor dich hin puzzeln. die besten dinge entstehen eh nur mit muße. muße kennt keiner mehr, vielleicht noch das wort, aber das gefühl für diesen zustand ist flächendeckend abhanden gekommen.

Johannes Ponader ist in einer talkshow so zerissen worden, als er die geschichte mit der grille erzählte, die musik machte während die fleißigen ameisen ihren bau mit vorräten füllten. eine geschichte mit der mir in meiner kindheit menschlichkeit und wertschätzung jeder tätigkeit beigebracht wurde. und das publikum hat dazu geklatscht, weil es von politikern wie müntefering gebrieft wurde: wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. dieser unmenschliche gedankenmüll steht dem grundeinkommen im weg.

nicht die menschen sind es, die keine werte mehr haben. dieses gesellschaftssystem erzieht den menschen die werte ab. man kann alle wertesysteme durchdeklinieren und wird diese widersprüche finden. christentum zum beispiel; jesus hat 5000 mit brot und fisch versorgt, heute liegen obdachlose auf der straße. preußische tugend; im zweifel gegen den könig, findet nicht mehr statt, weil ja der broterwerb auf dem spiel steht. somit verhalten sich alle wie untertanen, was heinrich mann in seinem roman schon kritisiert hat. so könnte man endlos weitermachen.

aussteigen kann man nicht. man kann nicht im wald leben, weil man da wieder gegen die eigentumsrechte des waldbesitzers verstößt und von diesem nur geduldet wird. wir sind gefangen im arbeiten müssen und harz iv bringt uns wieder durch die sanktionen in zwangsarbeit. ZWANGSARBEIT! in deutschland, wo ist da der gesellschaftliche fortschritt? wir fallen immer weiter in diktatorische zustände zurück und damit meine ich nicht die pegida-bewegung, die npd oder die afd.

die einzige furcht, die ich beim grundeinkommen hätte, wäre dass die kosten für die lebenshaltung durch die kapitalistische logik in die höhe schnellen könnten.

draghi druckt monatlich 60 milliarden für die banken. werfen wir die druckerpressen an und geben das geld als gundeinkommen aus. es landet eh wieder bei den banken, so muss man noch nicht mal was umverteilen, es den sogenannten reichen wegnehmen.

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moschlar
15 days ago
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Mainz, Deutschland
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Digitale Bildungspolitik: Der Staat kommt seinen Aufgaben und Pflichten nicht nach

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„Die wollen doch nur helfen – oder?“ betitelt SpOn einen Artikel über das vermeintliche Engagement von Firmen wie Lego, Google oder Apple an deutschen Schulen.

Schlagzeilen, die mit „oder?“ enden, sind ja generell schon eine Notlösung, sie spiegeln (haha) investigative journalistische Arbeit vor, wo keine ist. Leserinnen und Lesern soll in diesem Fall suggeriert werden, dass die genannten Unternehmen selbstverständlich nicht helfen, sondern unsere wehrlosen Kinder mit fiesen Methoden infiltrieren und zu von US-amerikanischen Produkten abhängigen Vollidioten machen wollen. Außer Lego, denn die sind dänisch, führen aber trotzdem nichts Gutes im Schilde. Weil Roboter.

Nun gibt es durchaus viel zu beachten bei privatwirtschaftlichem Engagement an Schulen, inhaltsleere und schlecht recherchierte Artikel wie der genannte tun das aber nicht, sondern verbreiten in erster Linie Vermutungen voller Konjunktive.

Und vor allem fehlt der wichtigste Satz in diesem Zusammenhang:
Der Staat kommt seinen Aufgaben und Pflichten nicht nach.

Lego und Apple. Weil Roboter, weil iPhone.

Statt diesen Kernsatz in den Vordergrund zu stellen, der schließlich den Ausgangspunkt des seit Jahrzehnten bestehenden Schultrauerspiels rund um alles Digitale in Deutschland beschreibt, taumelt der Artikel beispielhaft für viele andere zwischen verschiedenen Halbwahrheiten hin und her. Da wird zum Beispiel in Vortitel und Einführungstext auch Apple erwähnt (weil iPhone), im Artikel sind jedoch keinerlei Informationen darüber zu finden, ob und wie Apple an deutschen Schulen agiert. Der Satz „Denn wer in der Schule mit Google Docs oder Garage Band von Apple arbeitet, wird dies wahrscheinlich auch nach der Schule noch tun“ ist wahrscheinlich nicht völlig falsch, ob das aber überhaupt der Fall ist und ob es nicht sogar prima sein könnte, Musik mit GarageBand zu erstellen oder per Google Docs kollaborativ an Dokumenten zu arbeiten, wird gar nicht erst in Erwägung gezogen. Und schließlich gilt die Binsenweisheit auch für Legosteine, gegen die ich noch nie eine Beschwerde in irgendeinem Zusammenhang gelesen habe. Wohl aber gegen Legos Mindstorms-Roboter, die von Lehrkräften laut Artikel „skeptisch“ beäugt werden und die man als Schule sogar bezahlen muss, wenn man sie einsetzen möchte! Ob Legosteine, Bauklötze, Bunsenbrenner, Literatur oder Overheadprojektoren (die schließlich immer noch an vielen Schulen genutzt werden) bei der Anschaffung kostenlos waren und alle Firmenlogos entfernt wurden – auch das lässt der Artikel offen.

Und dann natürlich das Lieblingsthema einiger deutscher Journalist_innen, an dem sie die Gefahr der herrschenden Technologieklasse für unsere Kinder aktuell gerne festmachen: Der Calliope mini. Ein Kleinstcomputer, der sich in erster Linie an Grundschüler_innen richtet und der durch leicht zu bedienende Software simple Programmiergrundlagen vermittelt. Und gleichzeitig die erste halbwegs erfolgreiche privat gestartete Initiative der letzten Jahre, um langsam mal etwas passieren zu lassen an deutschen Schulen, an denen die digitalen Whiteboards – wenn vorhanden – unter maroden Dächern verstauben, weil sie niemand bedienen kann.

Calliope, Googles Geheimwaffe?

Der Calliope, so suggeriert es der erwähnte SpOn-Artikel oder auch dieser hier beim Nordkurier, scheint quasi die Hintertür für Google zu sein, um endlich die deutschen Lehrpläne beeinflussen zu können. Eltern können nach der Lektüre der Artikel den Eindruck gewinnen, der Calliope sei ein Google-Produkt, genauso wie die Software, die zum Programmieren der kleinen Platine nötig ist.

Beides ist jedoch unwahr. Google unterstützt das Calliope-Projekt und die Software Open Roberta neben vielen anderen Partnern zwar finanziell, dass sich der Calliope jedoch auch mit einigen weiteren, von Google nicht unterstützten Plattformen programmieren lässt (eine davon wird wiederum von Microsoft supportet), dass Lehrkräfte also auch andere Mittel wählen können, dass Open Roberta ein Open-Source-Produkt des nicht ganz so anrüchigen FraunhoferIAIS ist, dass hinter dem Calliope eine gemeinnützige GmbH steht, die ihre Ziele in ihrer Satzung eindeutig festgelegt hat und die (auch) durch ein erfolgreiches Crowdfunding unterstützt wurde, dass diese gGmbH Kontakte zu und Einflussnahme auf die Schulen durch ihre Partner ausschließt – das spielt alles keine Rolle, wenn Bildungslobbyismus entlarvt werden soll, aber niemand Lust hat, sich wirklich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Wie denn die digitale Bildung an den Schulen richtig gemacht werden könnte, bleibt dabei unklar – wenn die Schulen wie im Fall der Lego-Sets bezahlen müssen, ist es falsch (Teuer! Umsatz für die bösen Hersteller!), und wenn sie Geräte geschenkt bekommen, weil Google oder Microsoft oder SAP die Kosten übernehmen, dann ist es auch nicht richtig (Das ist doch Werbung! Und Einflussnahme, ganz bestimmt!).

Fünf Milliarden? Wo denn?

Warum diese oder andere digitale Lehrmittel nicht oder nicht ausreichend von Bund oder Ländern initiiert und finanziert werden (das Bundeswirtschaftsministerium hat immerhin den Start von Calliope unterstützt) – diese Frage wird in den Artikeln nicht gestellt. Manchmal wird das vor einem Jahr angekündigte Fünf-Milliarden-Paket von Bundesbildungsministerin Wanka wenigstens erwähnt, warum diese Gelder nun aber anscheinend doch nicht fließen und welchen hohlen Versprechungen Schulen, Lehrkräfte, Eltern und Schüler_innen und überhaupt die Bevölkerung da wohl mal wieder aufgesessen sind … das ist hier nicht das Thema. Sondern Google. Und Google böse. Weißmanja. Und Apple. Weil iPhone.

Panikmache, Halbwahrheiten und die Vermeidung der tatsächlichen Themen, es ist langsam wirklich nicht mehr auszuhalten. Da wird die Sorge geäußert, Google könne über den Calliope Einfluss auf Schüler_innen nehmen (wie das genau passieren könnte, bleibt offen), während eben diese Schüler_innen seit Jahren quasi täglich vor Googles YouTube sitzen, denn die Medienwelt ihrer Eltern hat ihnen nichts mehr zu bieten. Auf YouTube wiederum holen sie sich unter anderem Lerninhalte oder Nachhilfe und Erklärungen, welche ihnen die Schule nicht liefern, und nicht wenige Lehrkräfte greifen ebenfalls auf den Videokanal zu, um sich Material für den Unterricht abzuholen (siehe u.a. Publikumsfragen und Kommentare von Schüler_innen und Lehrkräften hier).

Sorgen um seit Jahren laufende Einflussnahmen durch Schulbuchverlage oder neoliberale Arbeitgeberinitiativen wie der INSM und anderen kommen in diesen Artikeln ebenfalls nicht vor, vielleicht, weil man damit einfach nicht so viele Klicks wie mit den Schlagworten „Google“ und „Apple“ generiert. Stattdessen wird auch gerne mal die britische micro:bit-Initiative als positives Gegenbeispiel zu Calliope genannt (in gewisser Hinsicht tatsächlich ein Vorbild für Calliope) und dabei ignoriert, dass auch micro:bit mit Partnern wie Samsung, Microsoft oder Amazon arbeitet. Und natürlich wird viel von „Werbung“ durch Unternehmen an Schulen gesprochen (erneut ohne diese nachzuweisen), während die wahren Herausforderungen völlig anders geartet sind.

Denn ja, wir können gerne über mögliche Einflussnahme der Technologie-Giganten auf Schüler_innen sprechen. Aber nicht so, nicht auf diesem Kindergartenniveau.

Unbesetzte Ausbildungsplätze

Es ist nicht „Werbung“, was Google und andere zu Engagement an Schulen treibt. Werbung. Pfff. Als müssten Google, Apple oder Amazon Millionen für Werbung ausgeben bei einer Generation, die diese Marken täglich vor sich sieht und für die sie „Household Names“ sind, so wie es für uns Eltern Marken wie Siemens, Philips oder Volkswagen waren oder sind. Während es nebenbei natürlich auch um Imagepflege unter anderem bei den Lehrkräften geht, buhlen diese Marken nicht in erster Linie um die junge Generation, um zu werben, sondern weil sie sie brauchen. Als Kunden haben sie sie sowieso schon, viel mehr noch brauchen sie sie aber als Arbeitskräfte, die sich mit digitalen Medien, Techniken und Methoden auskennen.

Nicht nur den bekannten Technologiefirmen geht es so. Mehrere tausend unbesetzte Ausbildungsplätze gibt es dem Vernehmen nach allein bei der Deutschen Bahn, die unter anderem mit YouTube-Kampagnen nach Personal sucht. Doch je spezialisierter die Suche, desto weniger vorbereitet und über Möglichkeiten informiert scheinen deutsche Schüler_innen zu sein. Und da in den letzten Jahrzehnten zu wenig von Regierungsseite unternommen wurde, um auf diese Nachfrage auch an den Schulen zu reagieren und Schüler_innen ihrem Auftrag gemäß auf das Leben vorzubereiten, agieren halt Wirtschaft nebst Eigeninitiativen. Und stehen dafür in der Kritik.

(Ganz nebenbei könnte man sowieso auch mal über die Frage der Motivation sprechen. Unternehmen wollen neben der Image- und Markenpflege gutes Personal, ja. Aber es ist schließlich auch nicht so, dass der Staat keine eigenen Interessen verfolgen würde, die nicht denen von Schüler_innen und Eltern entsprechen müssen. Die Verkürzung der Schulzeit bis zur allgemeinen Hochschulreife von 13 auf 12 Jahre – vielleicht, weil man schneller mehr Steuerzahler_innen braucht? Die Berufsberatung an Schulen durch die Arbeitsagenturen, die nicht selten eine Beamtenlaufbahn vorschlagen – warum wohl?)

Das alles bedeutet nicht, dass ich es super finde, wenn die Gelder für Schulen aus der Wirtschaft kommen, und auch nicht, dass es nur um Arbeitsplätze gehen sollte bei der Schulbildung (keineswegs sollte es das!). Aber es bedeutet, dass die Debatte anders geführt werden muss.

Denn, ich wiederhole mich: Der Staat kommt seinen Aufgaben und Pflichten nicht nach. Seit vielen Jahren gibt es zu wenig Personal an Schulen (dabei geht es nicht allein um Fragen der digitalen Bildung, sondern zum Beispiel auch um personell unterbesetzte Integrationsklassen) und nicht genug Fortbildung für die völlig überlasteten Lehrkräfte, die immer mehr Aufgaben in immer kürzerer Zeit leisten sollen. Es gibt keine ausreichende technische Infrastruktur, manchmal nicht einmal Internetzugang an Schulen. Wie auch, wenn es nicht einmal genug Geld gibt, um auch nur die Schulgebäude instand zu halten?

Werbung. Haha.

Da wird sich immer mal wieder gewundert, warum es kein deutsches oder europäisches Google gibt, da wird darauf gehofft, dass die neue Generation lauter tolle Startups gründet, aber an den Schulen wird unterrichtet, als lebten wir im Jahr 1980. Und wenn dann Initiativen mit Unterstützung von Unternehmen aktiv werden, dann kommt der Aufschrei: „Werbung!“

Ihr habt Angst vor Werbung? Ha. Ha. Ha.

Werbung ist das, was eure Kinder täglich zweihundertmal auf YouTube oder in kostenlosen Games wegklicken und bei den Google-Suchergebnissen überspringen. Werbung. Pah.

Was Google, Facebook, Apple und sogar Netflix und wie sie alle heißen tatsächlich tun werden, ist keine Werbung. Sondern Bildung nach ihrer Fasson. Sie werden eigene Schulen bauen, mit eigenen Lehrplänen, eigener Software und eigenen Zielen. Und Eltern, die sich darum sorgen, dass ihr Nachwuchs den Anschluss an die echte Welt verliert und zu Beamten statt zu kreativen Köpfen erzogen wird, werden mit ihren Kindern in Scharen dorthin rennen. Wenn sie es sich leisten können. Und diejenigen Kinder, deren Eltern es sich nicht leisten können, werden in den staatlichen Ruinen über zwanzig Jahre alten Büchern hocken. Und wenn ihr denkt, wir hätten heute ein Problem mit ungerecht verteilten Bildungschancen, dann wartet mal noch zehn, fünfzehn Jahre ab und euch wird die heutige Bildungswelt rückblickend fair vorkommen.

Das ist es, worüber wir sprechen müssen, nicht über „Werbung“ oder vermutete Einflussnahme, weil Google eine Platine mitfinanziert hat oder Lehrkräften zeigt, wie man GoogleDocs im Unterricht einsetzen kann. Wir müssen über die Entmachtung des Staates sprechen.

Diese findet längst statt, auf so vielen Ebenen, und es ist bei den Technologiegiganten eine Mischung aus Eigenbedarf und dem alten Hackerethos „Weil wir es können“, die dazu führt, aber eben auch immer wieder die Tatsache: Der Staat kommt seinen Aufgaben und Pflichten nicht nach.

Rage mode off

Kurz durchatmen. Rage mode off. Nüchtern bleiben.

Denn immerhin hat die Kultusministerkonferenz (KMK) die Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ beschlossen, die ab 2018 den Erwerb von digitalen Kompetenzen in allen Fächern verankern soll (hier das PDF). Das ist ein wichtiger und längst überfälliger Schritt, der Rahmenbedingungen erstellt, die sich wie eine Wunschliste lesen, wobei die Länder an vielen Stellen natürlich wieder allein gelassen werden. Denn noch sehr vieles muss „entwickelt“ und „abgestimmt“ werden. Aber es ist trotzdem ein guter Schritt.

Und auch die Finanzierung inklusive Engagement privater Unternehmen ist (nicht erst seit dieser Strategie) geregelt: „Für die Finanzierung kommen die kommunalen Schulträger, die Länder, der Bund und auch privates Engagement in Betracht. (…) Aus verfassungsrechtlichen Gründen ist eine Beteiligung des Bundes an der Finanzierung des Bildungsbereiches begrenzt. (…) Auch privates Engagement, z. B. durch Public-Private-Partnership (PPP), kann einen Beitrag dazu liefern, die Ziele dieser Strategie zu erreichen und somit die Ausstattung der Schulen zu verbessern. Dabei sind insbesondere wettbewerbsrechtliche und schulgesetzliche Vorschriften zum Sponsoring zu beachten.“

Heißt: Einen Großteil der Kosten darf der Bund gar nicht übernehmen (was eine eigene Debatte wert ist), die Länder aber schon, und Unternehmensbeteiligungen sind erwünscht, solange geltende Regeln eingehalten werden.

So unaufgeregt, wie es die KMK beschreibt, muss die Debatte geführt werden, und so nötig, wie dieses Papier war, sind nun auch entsprechende Gelder aus den Haushaltskassen. Und zwar haufenweise und schnell (die KMK sieht unter anderem den Griff in den Umsatzsteuertopf vor, ich finde ja, wir sollten mal über höhere Besteuerung von Kapitalerträgen und Erbschaftssteuer reden, falls Geld für Bildung fehlt, was ich aber sowieso bezweifle). Personal, Know-how, Infrastruktur und Technik kosten viel Geld. Und sollten Google, Apple und andere dabei mitfinanzieren wollen: Her damit.

Die richtige Balance

Vielleicht können wir dann ja sogar auch mal über Wissenstransfer sprechen. Vielleicht sind nicht alle Ideen aus den Firmen, die unser digitales Leben bestimmen, kompletter Müll. Vielleicht ist es sinnvoll, sich hier und da auszutauschen, Experimente zu wagen, zusammenzuarbeiten. Wer sich ausschließlich darum sorgt, dass Unternehmen Lerninhalte infiltrieren oder für sich werben könnten, setzt sie entweder mit Magiern gleich, die völlig hohlen Lehrkörpern, Schüler_innen und Eltern heimlich Gift verabreichen, oder misstraut den entsprechenden Kontrollbehörden. Oder beides.

Es ist sicher nicht ganz leicht, die richtige Balance zu finden zwischen „mit Google zusammenarbeiten“ und „bei Google immer aufpassen“, aber wenn Unternehmen von kleineren Initiativen wie Calliope bis zu großen Playern wie Google aus der Bildungsdebatte schon ausgeschlossen oder mit unsachlicher Pauschalkritik überzogen werden, dann braucht man wenigstens Alternativen, die ihnen zuvorkommen und es besser machen. Hat man diese Alternativen nicht, dann wird halt alles noch viele Jahre so bleiben, wie es ist, und die privaten Initiativen werden tatsächlich nur ihre eigenen Pläne umsetzen. Damit etwas passiert.

Wichtig sind daher (mal wieder) Dialog und Austausch. Und dass der gesetzgebende Staat in Sachen Bildung die inhaltliche Oberhand behält und die Regeln vorgibt. Nicht nur, aber eben auch, um seiner eigenen Entmachtung entgegenzuwirken. Zu lange schon scheint die Bildungspolitik in Deutschland zu stocken, fühlen sich Eltern, Schüler_innen und engagierte Lehrkräfte und Schulen alleingelassen. Sollten diese den Eindruck gewinnen, dass ihnen zum Beispiel Google mehr Verständnis, Aufmerksamkeit und Ressourcen schenkt als die Politik, dann heißt das nichts anderes als:

Der Staat kommt seinen Aufgaben und Pflichten nicht nach.

Disclaimer: Als Vorsitzender und Geschäftsführer des gemeinnützigen TINCON e.V. sammle ich seit gut zwei Jahren meine eigenen Erfahrungen mit der Unterstützung durch öffentliche und private Gelder und einer möglicherweise daraus folgenden inhaltlichen Einflussnahme (die, Spoiler, bisher noch nie gewünscht oder erwartet wurde, weder schriftlich, noch in Gesprächen, noch in der Praxis unserer Events). Ich habe außerdem das Vorwort zum ersten Calliope-Buch mitverfasst, und obwohl ich nur einen Teil der Calliope-Gründer_innen oberflächlich kenne, ärgert es mich enorm, dass in diesem Land erfolgreiche Eigeninitiativen nicht mindestens auch mit dem nötigen Respekt betrachtet werden und anständig recherchiert wird, bevor Kritik geäußert wird. Es nervt mich außerdem, dass sich Expert_innen seit Jahren den Mund fusselig reden, damit die digitale Realität an Schulen ankommt, stattdessen aber Handyverbote den Schulalltag bestimmen und Landes- und Bundesregierungen nicht Zillionen in die Generationen investieren, welche die Zukunft sind.

Update 3.11.17, 16:45 Uhr In der ersten Version des Textes stand „Rund 150.000 unbesetzte Ausbildungsplätze gibt es dem Vernehmen nach allein bei der Deutschen Bahn (…)“, diese Zahl ließ sich jedoch nicht verifizieren. Ich habe den Satz daher geändert zu „Mehrere tausend unbesetzte Ausbildungsplätze gibt es dem Vernehmen nach allein bei der Deutschen Bahn (…)“.

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moschlar
36 days ago
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Saturday Morning Breakfast Cereal - Best Life Advice

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Hey Coloradans! We're doing two events - one in Denver, one in Boulder. We'll be talking nerd stuff and signing books. Come see us!

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moschlar
41 days ago
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Mainz, Deutschland
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46 days ago
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Levitz
43 days ago
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Voor Job, re:ssc rat park :)
drchuck
46 days ago
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Hovertext is the best suggestion I've heard all day.
Long Island, NY
weelillad
46 days ago
If the men were really wise, they won't be reachable via the app

Mit der Tram kreuz und quer durch Mainz - Viereinhalb Stunden auf der Schiene

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AZ-Redakteur Michael Bermeitinger hat sich mit der Tram auf eine Kreuzfahrt durch Mainz begeben. Foto: Michael Bermeitinger

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moschlar
51 days ago
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Mainz, Deutschland
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Equal Care Day – klappt das mit dem 50/50

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Es folgt ein Gastbeitrag. Naja, eigentlich nicht ganz, weil 35 Prozent davon auch von mir sind, aber andererseits doch, weil alles andere von Patricia kommt. Es geht um Gleichberechtigung im praktischen Sinne: Zu Hause.  

Das bisschen Haushalt…

Pixabay@Hans

Der Equal Care Day, dieses Jahr am 1. März, soll auf die mangelnde Wertschätzung von Fürsorgearbeit aufmerksam machen. Auch 2017 wird noch 80% der Care-Arbeit von Frauen geleistet. Dieses Verhältnis bleibt relativ stabil – sogar wenn die Frau selbst (und genauso viele Stunden wie der Mann) berufstätig ist. Bislang “helfen” die Männer nur und es finden sich kaum faire 50 – 50 Aufteilungen.

Ein Evergreen zu diesem Thema ist der Tweet von @katjaberlin:

Zur Frage der Aufteilung findet sich in einem Interview mit der Soziologin Cornelia Koppetsch, Professorin für Geschlechterverhältnisse an der TU Darmstadt, eine interessante Passage:

Sie sprechen von einem inneren Widerspruch [zwischen romantischen Liebe und gleichberechtigter Partnerschaft.]: Wie finden Sie den heraus?

“Wir führen Interviews mit den Paaren. Wenn man sie zum Thema Hausarbeit befragt, kann man hören: Bei uns läuft das partnerschaftlich, wir teilen uns die Arbeit auf. Aber wir wollen das genauer wissen und fragen nach: Wer putzt denn bei Ihnen die Fenster? Wer näht die Knöpfe an? Wenn man insistiert, kommen andere Dinge ans Licht. Etwa dass immer dann, wenn der Mann für längere Zeit die Hausarbeit übernimmt, im Erziehungsurlaub beispielsweise, eine Putzfrau engagiert wird, die es nicht gegeben hat, als die Frau für die Hausarbeit zuständig war. Das sind interessante Details, die den inneren Widerspruch deutlich machen.”

Aus “Paarbeziehungen heute: Putzen oder lieben

Stellt man sich eine umfassende Liste zum Thema Care-Arbeit zusammen, dann ist die Beantwortung dieser Fragen doch sehr erhellend. Es kommt nicht selten vor, dass sogar Paare, die glauben alles sehr gerecht aufgeteilt zu haben, zu der Erkenntnis gelangen, dass doch die Frau deutlich mehr Aufgaben übernimmt als der Mann.

Die InitiatorInnen des Equal Care Days haben deswegen einen Fragebogen zur Verfügung gestellt, den wir ausgefüllt haben.

Wir, das sind:

Patricia Cammarata (rechts, ohne Bart) und Marcus Richter (links)

Marcus Richter ist Radiojournalist und Moderator mit Schwerpunkt Technik, Netz und Games. Er lebt in Berlin als Bonuselter einer Familie mit zwei Schulkindern, auch wenn er nach wie vor eine eigene Wohnung hat.

Verhältnis Erwerbstätigkeit/Familienarbeit: 40 Wochenstunden Erwerbstätigkeit, 35% Familienarbeit

Patricia Cammarata ist Projekt-Managerin, Autorin und Bloggerin. Sie lebt ebenfalls mit zwei Schulkindern in Berlin. Sie genießt den Luxus alle zwei Wochen kinderfrei zu haben. Denn da sind die Kinder beim leiblichen Vater. Ab und zu macht sie Urlaub in Marcus Wohnung. Da hat sie noch nie gewaschen oder geputzt.

Verhältnis Erwerbstätigkeit/Familienarbeit: 30 Wochenstunden Erwerbstätigkeit, 65% Familienarbeit

 

  1. Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

Marcus: Wenn wir zusammen sind und die Kinder haben – was nicht immer der Fall ist, weil wir getrennt leben – und die Kinder manchmal beim Ex-Partner sind, versuchen wir uns alles zu teilen.

Patricia: Es gibt keine festen Zuständigkeiten – bestenfalls sowas wie Gewohnheiten. Ich für meinen Teil versuche aber aktiv immer wieder Dinge zu übernehmen, bei denen ich sehe, dass sie mein Partner öfter macht als ich. Selbst wenn es sowas banales ist, wie Mülleimer runterbringen.

Bei manchen Sachen tauschen wir aktiv gegen die Klischees. Ich versuche z.B. alle handwerklichen Dinge mit den Kindern gemeinsam zu machen und der Freund macht der Tochter die Flechtfrisuren oder kocht.

 

  1. Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

 Marcus: Ich tue mich ehrlich gesagt mit dem Begriff “CareArbeit” schwer. Wir sind halt ein Familienverband von vier Leuten, wo zwei mehr Verantwortung tragen können und wollen als die anderen beiden. Das dann alle Arbeit möglichst gleich aufgeteilt wird, hat den Vorteil, dass die schweren Sachen weniger belasten, die schönen Sachen mehr Spaß machen und man insgesamt mehr Zeit für alles andere hat.

 Patricia: Ich weiß gar nicht, ob es um Vorteile geht. Es geht mir v.a. um Gerechtigkeit. Es gibt in der Familienarbeit so vieles, was anstrengend ist. Ich möchte das meinem Partner nicht alleine zumuten und ich möchte auf der anderen Seite auch nicht alleine zuständig sein.

Mir macht ja v.a. der Kleinkram zu schaffen. Zettel aus der Schule unterschreiben, Termine merken, Fingernägel schneiden, überlegen, was man abends isst, Kuchen fürs Kindergartenbuffet backen, an Wechselwäsche denken, rechtzeitig Winterschuhe kaufen etc.

Wenn ich das alles alleine mache, dann beschwert mich das. Diese ganzen Aufgaben zu teilen, die Verantwortung dafür zu teilen, ist sehr wohltuend.

 

  1. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

 Marcus: Durch die Patchwork-Situation und weil ich erst relativ spät dazu gekommen bin, fällt es nicht immer einfach, alles genau aufzuteilen. Bei manchen Sachen fällt es schwer gewohnte Muster abzulegen oder sich darauf zu verlassen, dass man jetzt zu viert ist – das gilt in der einen oder anderen Form für alle Beteiligten – die Großen und die Kleinen.

Patricia: Nachteile gibt es in dem Sinne keine. Vielleicht dass ich mich manchmal überwinden muss, Dinge zu tun, auf die ich gar keine Lust habe, wie z.B Auto fahren oder putzen. Aber dann stimmt es mich eben sehr versöhnlich zu wissen, dass mir fast die Hälfte davon erspart bleibt, weil mein Partner, seinen Anteil auch übernimmt.

Schwierigkeiten sehe ich v.a. darin, dass der Alltag ein ständiges Jonglieren und Kommunizieren erfordert.

Das ist manchmal sehr mühsam. Man muss sich absprechen, offen für alternative Lösungen sein. Ich habe oft feste Vorstellungen von gut und richtig und muss dann sehen, dass es viele völlig gleichwertige Umsetzungen gibt. Nur die muss man eben ausdisktieren.

Es ist für mich persönlich Fall weniger Zeit insgesamt da. Das fällt manchmal auf und manchmal schwer, aber stellt sich als Planungs-, Organisations- und Verhandlungssache heraus.

 

  1. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?

Marcus: Zum Teil ist das ja so: Dadurch, dass ich eine eigene Wohnung habe und es zwei Erziehungsberechtigte für die Kinder gibt, ist es für viele Sachen so, dass ich, wenn sie anfallen vielleicht nicht verfügbar sind oder zwar meine Meinung sagen, aber kein letztliches Mitbestimmungsrecht habe.

Patricia: Doch, das wäre total praktisch. Nur leider auch unzumutbar.

 

  1. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?

Marcus: Siehe 4. Was ich noch als schwierig empfinde: Ich kann theoretisch jederzeit sagen “Ich kann heute Abend nicht, ich habe einen Termin”. Ich würde das auch gerne umgedreht anbieten, aber das ist schwieriger realisierbar.

Und ganz konkret: Wäsche waschen wird wohl so lange getrennt bleiben, wie es getrennte Haushalte gibt.

Patricia: Wir haben getrennte Wohnungen. Zu 80% leben wir gemeinsam mit den Kindern in meiner Wohnung. 15% leben wir getrennt und 5% leben wir in der Wohnung meines Partners.

Ich war es sehr gewohnt alles zu machen und mich verantwortlich zu fühlen. Manchmal muss mein Partner sich sehr „aufdrängen“ um seinen Anteil machen zu können. Ich glaube, das ist gelegentlich schwer.

Z.B. wenn ich krank bin. Ich glaube, dann muss man mich fast ins Zimmer sperren, damit ich nicht trotzdem weiter arbeite.

Wenn die Kinder krank sind, dann ist es für mich auch schwer, auszuhalten, dass sie sich bei meinem Partner auch wohl fühlen und gut aufgehoben sind, wenn ich z.B. erwerbstätig arbeite…

 

  1. Leben Kinder in Eurem Haushalt? Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?

 Marcus: Meta-Antwort: Ich bin verwirrt, dass die Frage jetzt erst kommt. Alle Antworten beziehen sich auf das Leben mit Kindern und die Änderungen.

Patricia: Ja, die Kinder leben mit uns. Da wir uns erst vor einigen Jahren kennengelernt haben und die Kinder schon da waren, war unsere Beziehung schon immer mit Kindern.

Auf der anderen Seite haben wir aber auch regelmäßig kinderfrei, weil die Kinder auch bei ihrem leiblichen Vater sind. Die CareArbeit ist so gefühlt von 100% ich auf 65% ich – 35% Partner gegangen.

 

  1. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?

Marcus: Ja, aber es hat eher dazu geführt, dass wir flexibler planen können, weil die Kinder selbstständiger werden und jetzt beide in die Schule gehen, was die Bringzeiten synchronisiert und -wege verkürzt hat. Ansonsten bin ich erst seit zwei Jahren vorbei – von daher sind die Unterschiede im Gegensatz zu Eltern, die das von Anfang an machen wahrscheinlich marginal.

Patricia: Dass sich die Aufteilung geändert hat, hat bei uns weniger mit dem Älterwerden der Kinder als mit der Lebenssituation an sich zu tun.

Ich merke aber, dass ich bestimmte Kompetenzen habe, die mir mit Babys und Kleinkindern sehr hilfreich waren und dass mir bei älteren Kindern bestimmte Dinge eher schwer fallen, die meinem Partner viel leichter fallen. So z.B. die Hausaufgabenbegleitung. Da werde ich schnell ungeduldig. Ich muss da sehr an mir arbeiten, das nicht auf meinen ruhigen und gelassenen Partner „abzuwälzen“.

 

  1. Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann?

Marcus: Keine. Es gibt ab und zu generelles Feedback a la “Ihr macht das ja ganz schön zusammen.”, aber mein konkretes Tun wird – außerhalb unserer Familie – eigentlch nicht kommentiert. (Wüsste allerdings auch nicht warum.)

Patricia: Als Frau höre ich oft, was ich für ein Glück mit einem Mann habe, der sich auch um die Kinder kümmert und dann noch um den Haushalt! In der älteren Generation wird mir auch gerne zu Demut geraten oder dass ich doch lieber mal bestimmte Dinge mehr mache, damit mir mein guter Fang nicht wegläuft.

Alles, was ich mache, ist auf der anderen Seite selbstverständlich. Bzw. ich muss mich oft rechtfertigen, warum ich denn unbedingt erwerbstätig sein will.

 

  1. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.

 Marcus: Eine nahe Freundin hat mir mal zu Verstehen gegeben, dass ich meiner Partnerin sehr gut tue. Ich vermute mal stark, dass das auch mit der Aufteilung unseres gemeinsamen Alltags zu tun hat – das wurde allerdings nicht explizit erwähnt (haben aber die Umstände nahegelegt.)

Patricia: Siehe Frage 8. Positive Reaktionen bekomme ich v.a. von Freundinnen, die ein ähnliches Leben haben – sprich arbeiten und ein paar Kinder großziehen.

 

  1. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?

Marcus: Mir fällt nicht wirklich was ein. Wenn ich darüber nachdenke, wird mir klar: Als ich noch nicht in einer Beziehung gelebt und keine Kinder gehabt habe, habe ich kein großes Interesse an dem Thema gehabt – ich war ja nur für mich alleine verantwortlich und mir war schon immer klar, dass ich in Beziehungen gleichberechtigt leben will: Ich hatte noch nie Idee, dass automatisch jemand meine Socken wäscht, nur weil wir zusammen sind.

Patricia: Ich würde meinem jüngeren Ich eindringlich von Partnern abraten, die nicht von alleine auf die Idee kommen, dass man sich alles teilt. Eindringlich! Nimm nicht hin, dass du dich für alles verantwortlich fühlst, dass du wie selbstverständlich kochst, wäschst, planst und putzt. Keine Kompromisse in der Hinsicht. Wahrscheinlich wäre ich dann so bis 40 Single geblieben.

 

  1. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?

Marcus:  siehe 12.

Patricia: Rahmenbedingungen, die wirklich eine freie Wahl lassen, ob man erwerbstätig ist oder Hausmann oder –frau. Lohngefälle abbauen. Elternauszeiten gestatten. Lebensarbeitszeit statt Präsenzkult unterstützen. Familienfreundliche Bedingungen in Unternehmen belohnen. Gute und bezahlbare Kinderbetreuung. Auch gut bezahlte Kinderbetreuung – eine Aufwertung von Care-Berufen und auch eine gezielte Förderung von Männern in Care-Berufen.

 

  1. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?

Marcus: Ich mache es mir mal einfach: Ich wünsche mir, dass beide alles dafür mögliche tun, damit Familien in Zukunft genau das Arbeitsaufteilungsmodell wählen können, dass ihnen gefällt und sie sich nicht in eins hineinfügen müssen, dass ihnen durch Sachzwänge vorgegeben wird.

Patricia: Vorbild sein. Ordentliche Meetingzeiten (zw. 10 und 14 Uhr). Den Blick auf die ganze Lebensspanne richten. Sehen, dass es Zeiten gibt, in denen man viel arbeiten kann und will und dass es Strecken gibt, in denen das nicht möglich ist.

Über kreative Lösungen nachdenken, die gleiche Aufteilung aller Arbeiten ermöglichen.

 

  1. Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?

Marcus:  Weniger Geschichten über andere Männer hören zu müssen, die es als ganz normal ansehen, dass jemand anders die Arbeit macht.

Patricia: Dass er so bleibt und ich das Aushandeln und Kommunizieren immer besser lerne. Dass ich meine Wertschätzung für das was mein Partner tut, ausreichend zum Ausdruck bringen kann und dass ich noch besser lerne Aufgaben abzugeben OHNE mich dabei schlecht zu fühlen (wozu mein Partner am allerwenigsten kann. Da geht es eher um Erziehung und Rollenklischees abschütteln).

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moschlar
52 days ago
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Mainz, Deutschland
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