¯\_(ツ)_/¯
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Refresh Types

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The hardest refresh requires both a Mac keyboard and a Windows keyboard as a security measure, like how missile launch systems require two keys to be turned at once.
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moschlar
1 day ago
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Mainz, Deutschland
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tdarby
1 day ago
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lo
Baltimore, MD
Covarr
1 day ago
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Hard Reset - PC reset button - causes SEGA to fight SOPA.
Moses Lake, WA
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1 day ago
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The hardest refresh requires both a Mac keyboard and a Windows keyboard as a security measure, like how missile launch systems require two keys to be turned at once.

Once Per Day

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I'm not totally locked into my routine—twice a year, I take a break to change the batteries in my smoke detectors.
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moschlar
3 days ago
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Covarr
2 days ago
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Notably absent: hygiene.
Moses Lake, WA
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3 days ago
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I'm not totally locked into my routine—twice a year, I take a break to change the batteries in my smoke detectors.
jasonh09
3 days ago
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Living the life!
Lythimus
3 days ago
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The only way to be sure you'll live a statistically long life.

Schön, dass Du da bist

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Obdachlos
Pixabay @josemdelaa

In der Kantine, in der ich mittags esse, gibt es einen Mitarbeiter, der jeden Gast, der hineinkommt, mit einem fröhlich-lauten „Hallo! Schön, dass Du da bist!“, begrüßt.

Neu im Unternehmen, gehe ich ab und an alleine Mittag essen und fühle mich etwas einsam. Wenn der Kantinen-Mitarbeiter mir seine Begrüßung zuschmettert, schrecke ich kurz hoch und muss lächeln. Er macht das inbrünstig und überzeugend und ich fühle mich wahrgenommen und gewertschätzt. Das fühlt sich gut an.

An dieses Gefühl musste ich denken, als ich neulich bei der Bahnhofsmission hinter der Theke stand und Essen an Oberdachlose ausgegeben habe.

Als ich mich zum Einsatz gemeldet hatte, war ich ein bisschen ängstlich. Ich wusste nicht so genau, was auf mich wartet und ich habe gedacht, dass die meisten wahrscheinlich stark alkoholisiert sind und vielleicht auch rumpöbeln.

Als um 12 Uhr das erste Mal die Tür aufgeht und die Obdachlosen eintreten, blicke ich ausnahmslos in freundliche Gesichter. Die meisten schauen mich direkt an – nur sehr wenige vermeiden den Blickkontakt.

Das Essen, das wir heute verteilen, kommt hauptsächlich von einer bekannten Berliner Feinkost-Kette. Es gibt viel, aber nicht das selbe für jeden. Ich gebe eine warme Mahlzeit aus, ein Sandwich, ein Stück Obst, ein Stück Gebäck und einen Nachtisch.

„Bitte den Grießbrei mit gerösteten Mandeln.“ Ich krame im Kühlregal, meine Hände greifen etwas, ich ziehe es heraus: Grießbrei-Vanille. „Nein, bitte den mit den Mandeln.“ Ich krame weiter. So geht das Mensch für Mensch. Ich bekomme eine Essensmarke und frage dann z.B. „Himbeer Mascarpone oder Chia-Pudding?“ Ganz am Anfang kommt mir das komisch vor, auch dass manche sehr rigoros darauf bestehen den Teller links und nicht den oben rechts zu bekommen. Sollten sie nicht froh sein, überhaupt was zu bekommen?, huscht mir durch den Kopf. Es dauert aber nicht lange bevor mir aufgeht: Nein, sollen sie nicht. Sie müssen mit so wenig leben, immer mit dem zufrieden sein was kommt, wenn sie hier einmal wählen können, dann sollen sie wählen dürfen. Natürlich. Ich schäme mich für meine Arroganz. Ich will auch wählen können. Warum sollte das ein Obdachloser nicht dürfen?

Mir macht die Essensausgabe und der Kontakt zu den Menschen Spaß. Es gibt jeden Tag mehrere Zyklen, in denen Essen ausgegeben wird. Ich bleibe auch das nächste Mal an meiner Position. Meine Kolleginnen und Kollegen, die heute ebenfalls freiwillig helfen, stehen an der Spülmaschine, sortieren Kleiderspenden, geben Kaffee und Tee aus und füllen die Teller auf.
Wir sind da, um eine ganze Reihe an ehrenamtich tätiger Menschen (und Festangestellten) zu unterstützen.

Da sind zum Beispiel einige vornehme, ältere Damen, die sagen, dass sie hier sind, weil sie es so gut haben im Leben und dass sie ihre Rente nutzen wollen, um das Leben anderer ein bisschen besser zu machen.

Mir tut es gut, das zu hören. Es ist gut zu wissen, dass es nicht immer um Gewinnmaximierung geht. Es gibt viele freiwillige Helferinnen und Helfer. Menschen, die Kleidung spenden, Menschen, die kostenlos Haare schneiden, Menschen, die Essen bringen.

Die Obdachlosen, die die Mitarbeiter der Bahnhofsmission Gäste nennen, stellen schlicht und ergreifend eine Normalverteilung von Menschen dar, die man auch sonst trifft. Einige gesprächig, manche zu Scherzen aufgelegt („Wo bleibt bitte mein Schaschllik, das ich vor dreißig Minuten bestellt habe?“), andere schüchtern. Paare, die füreinander bestellen, dynamische und auch langsame Menschen, junge Menschen, alte Menschen, etwas verlotterte Menschen und auch Menschen, die so gepflegt und sauber aussehen, dass man sich wundert, was sie hier in der Bahnhofsmission tun.

Es ist Sommer, Monatsanfang. Die Stimmung ist überraschend gut. Tatsächlich ist das nicht immer so. Verständlicherweise. Am Anfang des Monats haben manche Menschen, die obdachlos sind, noch ihr Arbeitslosengeld II und auch sind die Mitmenschen am Anfang eines Monats spendabler als am Ende des Monats.

Wie oft habe ich schon gedacht als ich in der S- und U-Bahn oder vor Einkaufsläden angebettelt wurde: „Man kann ja schließlich nicht jedem was geben!“ und folglich nichts gegeben.
Ich habe es jetzt zwei Wochen ausprobiert und jedem, der gebettelt hat, einen Euro gegeben: 5 Euro hat mich das gekostet.
Man kann vielleicht nicht, aber mir geht auf: Ich kann durchaus.

Tatsächlich muss man aber nicht immer Geld geben. Ins Gesicht sehen und überhaupt auf die Menschen reagieren, hilft auch. Ich hab mich mal mit einem Obdachlosen unterhalten, der sagte mir, für ihn ist das schlimmste nicht das auf der Straße leben, sondern das unsichtbar sein.

Seitdem überwinde ich meine eigene Angst und auch mein Unbehagen, dass es mir so viel besser geht und grüße.
Ich will mir die Schicksale der Menschen, die auf der Straße leben und dort seit vielen Jahren leben, gar nicht ausmalen (einige kann man in dem Blog Unbeachtet nachlesen). Wie man sich vor schlimmen Krankheiten sicher währt, währt man sich auch sicher davor so aus der Gesellschaft zu fallen.

Ich glaube, so zu denken, ist naiv. Erst neulich habe ich über Armut gelesen und u.a. den Weg vom erfolgreichen Unternehmer zum Hartz 4 Empfänger verfolgt. Der Hauptkunde zahlt nicht und plötzlich wird aus dem selbständigen Unternehmer ein Armutsfall.

Wir verarbeiten gespendetes Obst zu Obstsalat

80% der Obdachlosen leiden unter psychischen Erkrankungen, erzählt die Sozialarbeiterin der Stadtmission.

Wie heftig diese Erkrankungen Menschen aus dem Alltag katapultieren können, vermag man sich gesund nicht vorstellen. Ich denke oft daran wie mich aus der Bahn geworfen hat, dass meine Freundin überraschend starb. In der Folgewoche hatte ich eine Herzmuskelentzündung an der ich nur durch einen Zufall nicht gestorben bin. Im Nachheinen denke ich, ich hatte sowas wie das Broken Heart Syndrom. Dabei war es „nur“ eine liebe Freundin. Was, wenn der Partner oder sogar die eigenen Kinder sterben?

Ja, es gibt Schiksale, die ein Leben unwideruflichen aus dem Takt bringen können.
Als studierte Psychologin, die einiges an Praxiserfahrung in der Neuropsychiatrie und in der Allgemeinen Psychiatrie gesammelt hat, kann ich nur sagen: Man kann es nicht verstehen, wenn man es nicht gesehen hat und selbst dann ist es noch schwer zu begreifen.

Die Menschen, die heute in der Bahnhofsmission erschienen sind, sind ganz bestimmt die, die geistig einigermaßen beieinander sind. Sie können sich orientieren, motivieren und koordinieren. Sie wissen um wieviel Uhr es Essen gibt, sie wissen, wo es das Essen gibt.

Es gibt einige Hilfsangebote in Berlin – aber es gibt auch eine Menge Menschen, die gar nicht mehr in der Lage sind, sie in Anspruch zu nehmen. Das darf man nicht vergessen.

Es gibt keine zuverlässigen Zahlen von Obdachlosen in Berlin. Bei der Bahnhofsmission geht man von 6.000 aus.

Ich hab nur einen Tag geholfen. Ich mache das immer wieder mal zu verschiedenen Anlässen, ich spende auch regelmäßig (wenn Geld übrig ist, Geld – ansonsten regelmäßig Sachspenden). Mir hilft das zu verstehen mit wie viel Glück ich gesegnet bin, es hilft mir auch mit den Kindern zu sprechen und ein Bewusstsein zu schaffen, dass man helfen und teilen kann und dass gerade das Teilen am Ende glücklich machen kann oder dass es immer Wege gibt, wie man von seinem Glück etwas an andere zurück geben kann.

Manchmal ist es so eine Art Ringtausch. Mir tut jemand was Gutes, ich tue jemanden was Gutes und der tut wieder jemand anderes was Gutes.

Ich glaube, es ist nicht gut, seine Augen vor Armut und Bedürftigkeit zu verschließen. Man muss sie offen halten, auch wenn es unangenehm ist (weil man auch erkennt, dass man nicht grundsätzlich Dinge zum besseren wenden kann sondern nur im Kleinen).


Wer möchte:
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Der Beitrag Schön, dass Du da bist erschien zuerst auf Das Nuf Advanced.

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moschlar
3 days ago
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What bullets do to bodies

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Emergency room doctor Leana Wen writes in the NY Times about what bullets do to human bodies.

Early in my medical training, I learned that it is not the bullet that kills you, but the damage from the bullet. A handgun bullet enters the body in a straight line. Like a knife, it damages the organs and tissues directly in its path, and then it either exits the body or is stopped by bone, tissue or skin.

This is in contrast to bullets from an assault rifle. They are three times the speed of handgun bullets. Once they enter the body, they fragment and explode, pulverizing bones, tearing blood vessels and liquefying organs.

Earlier this year, Jason Fagone wrote a much longer piece on the same topic for HuffPost.

“As a country,” Goldberg said, “we lost our teachable moment.” She started talking about the 2012 murder of 20 schoolchildren and six adults at Sandy Hook Elementary School. Goldberg said that if people had been shown the autopsy photos of the kids, the gun debate would have been transformed. “The fact that not a single one of those kids was able to be transported to a hospital, tells me that they were not just dead, but really really really really dead. Ten-year-old kids, riddled with bullets, dead as doornails.” Her voice rose. She said people have to confront the physical reality of gun violence without the polite filters. “The country won’t be ready for it, but that’s what needs to happen. That’s the only chance at all for this to ever be reversed.”

She dropped back into a softer register. “Nobody gives two shits about the black people in North Philadelphia if nobody gives two craps about the white kids in Sandy Hook. … I thought white little kids getting shot would make people care. Nope. They didn’t care. Anderson Cooper was up there. They set up shop. And then the public outrage fades.”

I think about this tweet all the time:

In retrospect Sandy Hook marked the end of the US gun control debate. Once America decided killing children was bearable, it was over.

Tags: guns   Jason Fagone   Leana Wen   medicine
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moschlar
4 days ago
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6 days ago
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kbrint
8 days ago
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Sad but true.
jhamill
8 days ago
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That tweet gets me every time I see it. I am dumbfounded that American love for guns is greater than anything else.
California
mxm23
8 days ago
Guns are a powerful symbol for perceived freedom. And freedom is embedded in the national psyche of America. To take away guns represents a notch down in perceived freedom. It's not logical. It's not rational.

Katrin Roeske, Wasserorgelspielerin

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Ich bin Katrin Roeske, hauptberuflich Rhythmikerin und Tanzpädagogin – früher auch Tänzerin – und außerdem auch Sängerin. Das heißt, ich habe immer noch auf der Bühne zu tun, unter anderem an der Hamburgischen Staatsoper und bei den Eutiner Festspielen. Hauptsächlich bin ich aber als Musik- und Tanzlehrerin an der Staatlichen Jugendmusikschule und am Hamburger Konservatorium tätig.

Außerdem mache ich hier und da noch verwandte Jobs, unter anderem die Wasserlichtspiele hier in Planten un Blomen.

Das mache ich schon eine ganze Weile, seit bestimmt 16, 17 Jahren. Aber ich mache es immer noch wahnsinnig gern, ich freue mich jedes Jahr, wenn es wieder losgeht. Der Job ist total exotisch, wer macht schon sowas, deswegen hat es mich sehr gefreut, als ich damals hier einsteigen konnte. Ich mache es bis heute mit Begeisterung.

Die Wasserlichtspiele sind ein im Sommer allabendlich stattfindendes Wasserspektakel. Hier werden nach Musik Fontänen bewegt, und zwar nicht irgendwie, sondern mit einem Lichtspieler, der das Licht bedient, und einem Wasserspieler, der die Wasserorgel spielt, das bin unter anderem ich. Wir spielen feste Arrangements nach einer Partitur. Die sieht aus wie eine grafische Notation, mit vielen Bögen und Schwüngen, Zacken und Akzenten.

Für den Wasserspieler sind in der Partitur vor allem die Buchstaben wichtig. Die einzelnen Fontänen sind mit Buchstaben bezeichnet, damit man weiß, welche Fontäne man wann zu spielen hat. Für den Lichtspieler gelten die Zahlen, er bedient das Licht auf dieser orgelartigen Tastatur. Das System in der Partitur ist nicht direkt ein Notensystem, das ganz genau taktweise aufgeteilt ist, sondern ist vom zeitlichen Ablauf her unterschiedlich und zum Teil relativ frei zu interpretieren.

Aber es stehen natürlich bestimmte Zeichen und Hinweise drin, beispielsweise: Da setzen die Streicher ein oder da die Oboe oder so, damit man Wasser und Licht genau auf den Punkt spielen kann. Dann sind auch manchmal musikalische Akzente vermerkt, leichte Dynamiken oder kleine Notengruppen. Oder hier sieht man, das eine wird runtergeregelt, das andere wird hochgespielt, einige Fontänen bleiben oben stehen, andere werden zusammen gespielt, wie zum Beispiel hier gleichzeitig KL und BC.

Insgesamt sind es 13 Fontänen. Warum sie mit welchen Buchstaben bezeichnet sind, hat sich mir noch nicht erschlossen, warum das jetzt gerade KL sein soll und das BC … das ist einfach so, wir nehmen das so hin. Keine Ahnung, ob überhaupt noch irgendjemand weiß, woher das mal stammte. Derjenige, der sich das vor gut 50 Jahren mal ausgedacht hat, der weiß es bestimmt.

Das hier sind zum Beispiel die Fontänen, die so schräg hochgehen. UBC ist der untere Fächer, auch einzeln zu spielen, dann kommt E, das ist noch ein Fächer, der geht ein bisschen weiter nach oben. OPR sind die drei Wasserwände. GH die zwei Außensäulen. Die Mittelsäule besteht aus zwei Fontänen, J1 und J2, die werden mal einzeln, mal zusammen gespielt, je nachdem, ob der Strahl schmaler oder weniger schmal sein soll. Und dann ist da noch KL, das sind die Fontänen, die diagonal verlaufen. Die Höhe der Fontänen regelt man, indem man die Regler unterschiedlich hoch schiebt. Außerdem sind da noch die Tänzer, einer vorne, einer hinten. Das sind Drehspiele, die werden nicht geregelt, sondern einfach nur an und ausgeschaltet.

Es gibt immer eine Anfangsfontäne als Einleitung, das ist bei allen Programmen gleich, ganz egal, welches Programm gespielt wird. Erstmal kommt G hoch, dann kommt H, und dann macht der Lichtspieler ein bisschen Licht dazu. Man könnte genauso gut mit H anfangen und dann G spielen, das macht jeder von uns Wasserspielern anders. Ein Lichtspieler sagte mal zu mir, ich sei der G-Typ, was auch immer das heißen mag.

Jede Fontäne kann mit verschiedenen Farben beleuchtet werden. Um das zu kontrollieren, ist diese Tafel mit den bunten Knöpfen da. Da kann der Lichtspieler sehen, welches Licht gerade an ist.

Denn von hier aus sehen wir nicht, was das Publikum von vorne sieht, weil wir hier in unserem kleinen Bunker die Ansicht von schräg hinten haben. Deswegen haben wir noch diesen Monitor, mit dem wir die Frontalansicht kontrollieren. Ein bisschen was sieht man auch so, aber wenn wir wirklich etwas korrigieren wollen, gucken wir auf den Monitor. Das ist zum Beispiel dann wichtig, wenn der Wind von der Seite kommt. Dann kann man nicht ganz normal spielen, da muss man ein bisschen ausgleichen, damit das Wasser einigermaßen auf einer Höhe ist und man nicht nur Wassernebel produziert.

Ich kenne diese Anlage schon ganz lange, sie ist eine echte Hamburgensie, ich war schon als Kind mit meiner Oma hier. Am Anfang waren es nicht ganz so viele Fontänen, es kam immer mal ein bisschen was dazu. Der erste hohe Wasserstrahl wurde schon 1938 eingebaut. Dann kamen zwei Seitenfontänen dazu, sodass ein richtiger Wasservorhang entstand. Zu den Internationalen Gartenbauausstellungen 1953 und 1963 wurde die Anlage dann jeweils ein bisschen erweitert, und seit der IGA 1973 hat die Wasserlichtorgel ihre jetzige Form.

Wir sind ein Wasserspielteam und ein Lichtspielteam. Es gibt einen Spielplan, wer wann dran ist, meist hat man etwa acht Schichten im Monat. Aktuell sind wir im Wasserspielteam fünf Leute und im Lichtspielteam vier. Der künstlerische Leiter ist Héctor González-Pino, der sowohl Wasser als auch Licht spielt.

Alle sind Musiker. Man braucht schon ein musikalisches Gefühl, und choreografisches Geschick ist auch nicht verkehrt, deswegen wurde zum Beispiel ich seinerzeit von Héctor angeworben. Er spielte hier damals schon, ist also am längsten dabei. Es wurde eine Wasserstelle frei, und da dachte er an mich. Wer mit wem zusammen spielt, ist im Prinzip egal. Jeder sagt seine Sperrzeiten, Héctor teilt uns ein, und dann muss man sehen, wie es passt, wir haben also keine festen Teams.

Wir spielen immer wieder dieselben Programme, und ab und zu kommt mal ein neues dazu, etwa alle zwei Jahre. Letztes Jahr hatten wir das Programm »New Sounds« neu, dieses Jahr gibt es kein neues Programm. Jedes neue Programm muss natürlich geprobt werden, man muss es ja erstmal in die Finger kriegen. Wenn man einige Jahre gespielt hat, könnte man es womöglich auch vom Blatt spielen, aber wenn man es richtig gut machen möchte, wenn man musikalisch auf dem Punkt sein will, dann muß man es vorher gut üben. Und auch die alten Programme muß man vor dem ersten Einsatz mindestens einmal schon wieder in die Finger bekommen haben.

Die Programme werden von Héctor zusammengestellt, er schreibt die Arrangements dazu, aber er tauscht sich auch mit uns aus und bittet uns um Vorschläge.

Und dann ist es so, dass wir bei neuen Programmen immer eine Einführungsprobe mit Héctor haben. Denn wir müssen ja wissen, was wie gemeint ist, welcher Akzent gespielt werden soll, und man muss natürlich die Musik gut kennenlernen. Dazu haben wir eine gemeinsame Probe, bei der er uns alles zeigt. Wir können hier auch jederzeit allein rein, man geht nur zu den Parkwärtern, lässt sich den Schlüssel geben und kann dann hier üben. Nicht wirklich mit den Fontänen, sondern sozusagen »trocken« am Reglerpult für das Wasser oder an der Tastatur für das Licht. Die Lichtleute haben zur Kontrolle noch das Brett mit den Lämpchen.

Für uns alle geht es einfach darum, dass man die Koordination übt. Bei neuen Programmen gibt es dann noch eine Abnahmeprobe, dann macht Héctor für eine Weile das Wasser an, sodass wir auch einmal sehen können, wie das Programm, das wir gerade spielen, eigentlich aussieht.

Die Programme sind ganz unterschiedlich, es gibt Programme mit klassischer Musik aus unterschiedlichen Epochen, aber auch Jazz- und Pop-Programme. Heute spielen wir das Ballett-Programm mit Werken aus der klassischen Literatur. Das neuere Programm »New Sounds« geht eher in Richtung Popmusik, ein bisschen elektronische Musik, ein bisschen moderner, was wir sonst so nicht hatten.

Die Vorstellungen werden supergut besucht. Jeden Abend! Das ist wirklich ganz großartig. Die Wasserlichtspiele gibt es ja schon seit den 50er Jahren, und genauso lange sind sie auch umsonst, die Leute müssen nichts bezahlen. Jeder kann kommen und sich einen schönen Abend machen. Wenn das Wetter gut ist, ist es sowieso unübertroffen, aber wir spielen auch bei schlechtem Wetter, das ist völlig egal. Und es kommt immer ein harter Kern, ich habe es noch nie ganz leer erlebt. Selbst wenn das absolut übelste Wetter war, standen da trotzdem mindestens 10 Leute mit Schirmen und guckten zu.

In Deutschland ist so etwas einmalig. Auf jeden Fall so, dass es live gespielt wird, aber auch sonst gibt es nicht viele Wasserlichtspiele. In Wetzlar gibt es welche, in der Lahn, das ist die einzige Anlage in einem fließenden Gewässer. Ich gehe aber davon aus, dass die elektronisch gesteuert ist. Eine vergleichbare Anlage wie diese hier gibt es wohl nur in Australien, von der habe ich bisher aber nur gehört.

Die Enten sitzen manchmal gern auf den Düsen. Da haben wir versehentlich mal eine hochkatapultiert. Ich hoffe, sie hat es überlebt, aber sie kann ja fliegen. Fische gibt es in dem künstlichen See nicht, das ist ganz totes Gewässer. Es wird einmal im Jahr reingepumpt und bleibt dann in diesem Kreislauf. Es ist also immer dasselbe Wasser, ein stehendes Gewässer. Dass die Enten da drin überhaupt schwimmen mögen und manche Leute ihre Füße da reinhängen, das ist eigentlich richtig eklig. Je weiter das Jahr voranschreitet, desto mehr stinkt das Wasser. Am Ende der Saison wird es manchmal richtig hart.

Wenn ich Leuten von meinem Job erzähle, kommt eigentlich immer derselbe Kommentar: Ach, ich dachte immer, das geht automatisch, das machen irgendwelche Computer. Es denkt kein Mensch, dass hier jeden Abend zwei Leute sitzen und nach einer Partitur spielen. Aber ich finde, wenn man genau guckt, sieht man schon, ob das eine Maschine macht oder Menschen dahinterstecken. Wer das hier erfunden und erbaut hat, weiß ich nicht. Finanziert wird das Projekt von der Stadt, vom Bezirksamt Hamburg-Mitte.

Es ist auch deswegen ein sehr schöner Job, weil das ganze Drumherum so nett ist. Ich genieße es jedes Jahr, wenn es endlich wieder anfängt, weil man den Frühling ganz anders mitbekommt. In der Stadt kriegt man ihn ja sonst nicht immer so richtig mit, und hier blüht und grünt es, und es duftet, und ich bin immer gern hier.

Ich habe auch gar kein Problem, tagsüber mal zum Üben herzukommen. Oft sind Musiker ja faule Socken und müssen sich zum Üben immer aufraffen, aber hier muss ich mich nie aufraffen, weil ich weiß, ich kann mindestens noch eine Stunde vorher oder hinterher im Park verbringen und es mir gutgehen lassen.

Die Shows laufen immer von Mai bis September einschließlich, und manchmal geht es auch noch ein bisschen in den Oktober rein. Das sind etwas mehr als fünf Monate. In diesem Jahr hört es genau Ende September auf, das kommt immer drauf an, wie die Wochentage liegen. Ist der September mitten in der Woche zu Ende, wird die Woche noch vollgemacht.

Eigene Ideen hätte ich natürlich auch jede Menge. Die Arrangements sind künstlerisch schon sehr breit gefächert, aber wir dürfen durchaus noch Vorschläge machen. Was ich ganz toll fände: Ich bin ein großer Fan des französischen Chanson. Ich weiß allerdings nicht genau, ob sich das so mit dem Wasser umsetzen ließe, aber ein Edith-Piaf-Programm zum Beispiel wäre wunderbar! Oder eines mit Nouvelles Chansons, zum Beispiel von ZAZ, die ist doch großartig! Das könnte ich mir gut vorstellen, das ginge bestimmt, bunt und lebendig! Ich würde an sich gern mehr mit Gesang haben, weil ich ja auch Sängerin bin. Aber wir haben vor allem instrumentale Programme. Bei »New Sounds« waren auch ein paar Songs dabei, das fand ich gut. Man könnte natürlich auch mal ein schönes Opernprogramm machen!

Die klassischen Programme sind gar nicht so besonders nur für das breite Publikum, es ist zum Beispiel nicht immer das Trinklied aus La Traviata. Das singe ich gerade wieder in Eutin, das ist auch nicht schlimm, ich mag es ja, es macht Spaß. Aber das ist eben echter Mainstream, wenn man es dort nicht bringt, dann beschweren sich die Leute. Aber hier haben wir zum Beispiel auch mal ein Klavierkonzert von Rachmaninow oder mal ein Stück von Sibelius oder so, das nicht ganz so bekannt ist, das finde ich gut. Dass nicht nur die absoluten Abräumer gebracht werden, sondern auch versucht wird, dem Publikum Stücke nahezubringen, die man nicht andauernd hört, die aber wunderschön sind und sehr gut zur Wasserorgel passen.

Theoretisch könnte ich auch das Licht bedienen, aber das müsste ich mir noch richtig erarbeiten, das habe ich einfach nicht geübt. Aber dadurch, dass ich im Musikstudium auch Klavier im Begleitfach hatte, könnte ich das von der Fingerfertigkeit her auf jeden Fall. Mittlerweile sind die Programme so anspruchsvoll geworden, dass man fast eine pianistische Ausbildung braucht, um das zu können. Man muss ganz viel koordinieren. Es sieht ja auch aus wie eine Klaviatur, nur dass die schwarzen und weißen Tasten anders angeordnet sind, aber es spielt sich mit den zwei übereinanderliegenden Tastaturen im Prinzip wie eine Orgel.

Zum Wasser ist noch zu sagen – und deswegen braucht man eine recht gute Musikalität, um das zu können – Wasser ist träge. Das heißt, wenn man musikalisch ganz genau auf den Punkt spielt, ist man zu spät. Man muss die Regler also immer schon ein bisschen früher hochschieben, um auf den Punkt da zu sein.

Ich bin ein Mensch, der viel Abwechslung braucht, und das natürlich auch beruflich. Wenn ich solche Jobs wie hier machen kann oder als Sängerin auf der Bühne stehe, dann habe ich danach auch wieder mehr Lust zu unterrichten. Ich unterrichte wirklich mit Leib und Seele, aber als reine Lehrerin würde ich mich auf die Dauer fürchterlich langweilen.

An der Staatlichen Jugendmusikschule arbeite ich im Moment mit Flüchtlingskindern, das heißt, ich gehe in Flüchtlingscamps und mache Musikerziehung im weitesten Sinne. Ich singe viel mit den Kindern und mache Bewegungsspiele, auch ein bisschen Percussion, Rhythmusarbeit mit Orffinstrumenten und so weiter. Früher habe ich viel im Grundschulbereich gearbeitet, jetzt bin ich vor allem mit den Flüchtlingen beschäftigt, das ist auch toll, weil noch mal ein neuer Aspekt dazukommt: Du kannst ja über Lieder super Sprache transportieren. Das heißt, es ist immer auch ein Stück Sprachförderung dabei, und das ist für mich etwas Neues. Am Konservatorium mache ich musikalische Früherziehung mit Kindern oder Eltern-Kind-Gruppen, da habe ich die ganz Kleinen – das Konservatorium ist nicht nur Hochschule, sondern auch Musikschule.

Ich freue mich vor allem, wenn ich immer wieder unterschiedliche Sachen machen kann, gerade habe ich ein konzertantes Opernprojekt mit dem Flensburger Opernchor mitgemacht, da haben wir die Carmina Burana gesungen und waren die ganze Woche auf der Autobahn, weil wir immer hin- und zurückkutschiert werden mußten, das war ganz witzig. Die Hamburger Oper hat zwei Chöre, den Hauschor, der ist fest angestellt, und dann gibt es noch einen Chor mit Freiberuflern, in dem bin ich. Und dieser Chor wird von der Flensburger Oper gern mal ausgeliehen für solche Projekte. In Hamburg singen wir mit, wenn der Chor größer sein muss und sie mehr Leute auf der Bühne brauchen.

Dieses Projekt war eine schöne Abwechslung im beruflichen Alltag. Als es dann vorbei war, habe ich mich aber auch sehr gefreut, wieder bei meinen Schülern zu sein.

Ich hätte nie einen reinen Bürojob machen können, von morgens neun bis nachmittags um fünf oder sechs, da hätte ich mich sterbensgelangweilt. Ich bin einfach ein kreativer Mensch und brauche es, in gewisser Weise schöpferisch sein zu können. Das war ich früher auch mit Héctor, als wir noch zusammen choreografiert und getanzt haben. Jetzt bekomme ich auf der Bühne natürlich klare Regieanweisungen, aber man ist auch immer dazu angehalten, sich selbst einzubringen, man kann immer ein bisschen improvisieren und seine Rolle selbst entwickeln, das macht mir viel Spaß.

Bei den Wasserlichtspielen ist das Abgefahrene eigentlich, dass ich als Musikerin und Tänzerin sowohl musikalisch als auch tänzerisch das Wasser bewegen kann. Wasser ist ein tolles Element, so lebendig und ständig in Bewegung. Und das ist vielleicht sogar ein Stück weit das, was meine Persönlichkeit ausmacht oder wie ich mich beschreiben würde: Mir geht es gut, wenn ich in Bewegung bin, wenn etwas los ist und ich lebendig sein kann.

Was auch schön ist: Wir spielen abends natürlich nach Partitur, das ist klar, das muss auch sein, damit Licht und Wasser zusammenkommen. Aber zwischendurch können wir auch ein bisschen improvisieren, einige Teile sind ein bisschen freier zu interpretieren. Tagsüber wird ebenfalls gespielt, wenn wir nicht abhängig sind vom Licht. Das finde ich besonders schön, wenn ich selbst mal etwas ausprobieren kann, was man so für Bilder herstellen kann.

Wir spielen dann nachmittags: Sonntags und an Feiertagen um 14:00 Uhr, aber eben ohne Licht, denn wenn die Sonne scheint, sieht man ja nichts. Für diese Schichten gibt es ebenfalls festgelegte Programme mit einer Partitur, aber man kann auch etwas improvisieren. Das heißt, ich kann das ein bisschen selbst gestalten, und das macht Spaß.

Und großartig ist das nette Team hier, das ist fast familiär. Meine Wasserlichtspielfamilie. Man sieht nicht jeden dauernd, aber man trifft sich doch immer wieder, und es ist im positiven Sinne wie ein nettes Familientreffen. Man freut sich, man sitzt zusammen, spielt zusammen, es sind alles lockere und coole, nette Leute, mit denen man gut kann. Deswegen ist es auch egal, mit wem man zusammen spielt, man kommt mit jedem gut klar. Darauf wird auch Wert gelegt. Wenn jemand Neues kommt, muss er nicht nur kompetent sein, sondern auch persönlich zu uns passen.

***

Zur Webseite der Wasserlichtspiele.

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moschlar
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Invasion

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Invasion | Alien-Comic | is lieb?
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moschlar
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