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Elternzeit für Männer – unfinanzierbar

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Weil ich mich gerade sehr intensiv mit der fairen Verteilung von Care-Arbeit beschäftige und u.a. der Frage nachgehe, woher die Schieflage in der Verteilung nach Geschlechtern geht, habe ich gestern etwas getwittert, das viele anmaßend, arrogant und überheblich fanden:

Und ja, da war ich sehr unpräzise. Ich versuche es mal einzuschränken [0]. Ich spreche von Paaren, bei denen beide angestellt arbeiten und einer von beiden mindestens so viel verdient hat, dass er/sie die Höchstgrenze des Elterngeldes, die bei 1.800 Euro netto liegt, erreicht.

Oder nein, ich rechne mal anders:

Versuchen wir es mal mit dem Median des Familieneinkommens. Der lag 2016 für eine Durchschnittsfamilie (2 Erwachsene, 2 Kinder unter 14) bei 3.392 Euro netto (!) [1]. Rechnen wir also mal kurz das Durchschnittsszenario durch. Dafür teile ich das Nettoeinkommen der Median-Familie durch zwei und verteile ein bisschen um. Der Mann bekommt 2.035,2 Euro und die Frau 1.356,8 Euro.

Szenario 0: Gerade macht niemand Elternzeit. In 14 Monaten beträgt das Einkommen = 47.488 Euro

Szenario 1: Die Frau geht 14 Monate in Elternzeit = 40.839,68 Euro

Szenario 2: Frau und Mann gehen jeweils 7 Monate in Elternzeit = 39.177,6 Euro

Mir ist tatsächlich nicht klar, warum man das Rechenbeispiel oben nicht überbrücken kann. Es geht um eine Differenz von 1.662,08 Euro. Die Elternzeit kostet also 8.310,40 Euro wenn der Vater auch 7 Monate nimmt vs. 6.648,32 Euro wenn nur die Mutter Elternzeit nimmt.

Warum das nicht geht wurde mir auf Twitter erklärt. Wenn man gerade eine Wohnung für 500.000 Euro finanziert, wirds halt knapp. Und irgendwie gibt es auch ein Problem mit dem Dienstwagen. Der wird anscheinend mit dem Elterngeld verrechnet? Und ja, es gibt auch so einige Kniffe und Fallen was die Versteuerung angeht. Und es gibt auch noch Kindergeld und Geschwisterbonus etc. An der Grundaussage insgesamt ändert das nichts. Der Unterschied im Einkommen ist nicht so dramatisch in der oben dargestellten Durchschnittsfamilie. Es geht nicht darum, ob man sich genug Essen leisten kann oder nicht. Bei all denen, bei denen es wirklich ums Überleben geht, möchte ich mich entschuldigen. Da war mein Tweet wirklich unangemessen pauschal. Man kann Tweets aber nicht nachbearbeiten und würde ich ihn löschen, würde man mir vorwerfen, dass ich etwas verschleiern möchte.

Ingesamt sind in Deutschland übrigens nur noch 28% der Männer Alleinverdiener. Zum Glück. Weil dieses Familienmodell ist finanziell natürlich nicht gerade robust, wenn es um Elterngeld oder auch um Krankheit geht. Aber das ist ein anderes Fass.

„Mehr als 2 Monate Elternzeit waren nicht drin“ (Vielleicht will ich bestimmte Menschen doch ein bisschen provozieren)

Und während ich also so nachdenke, stelle ich fest, dass in der Rechnung der Vater nicht mal annähernd an die 1.800-Grenze stößt (65% von seinen 2.035,2 sind ja nur 1.322,88). Und warum nochmal können diese Paare den Vater nicht in Elternzeit schicken? Weil er 4.000 netto verdient und die Differenz dann so groß ist und man den Lebensstandard die nächsten 10 Jahr… achso Elternzeit geht nur ein paar Monate? und man könnte vorher sogar ansparen, den Jahresurlaub ausnahmsweise mal streichen, die neuste Generation iPhones in der Elternzeit skippen und jaja, ich hör schon auf. Diese Paare können einfach nicht.

Ok.

Und natürlich kann das jede Familie selbst entscheiden. Jede/r hat ein eigenes Wertesystem. Wenn in diesem Wertesystem kurzfristge finanzielle Einbußen vor Beziehungs- und Carearbeit liegen, dann ist das so. Und Surprise: Niemand braucht meinen Segen für sein Lebensmodell.

Für mich (priviligiert, so wie in dem Rechenbeispiel) sind das ein paar Euro. Persönlich würde ich die nicht gegen Elternzeit eintauschen.

Und abgesehen davon: Ich hab recherchiert, warum Väter nicht so gerne Elternzeit nehmen (2/3 nehmen keine Elternzeit). Sie befürchten finanzielle Einbußen und Nachteile in der Karrierentwicklung.

Ersteres hat jede Familie ganz zweifelsohne. Und zwar um min. 35% gesehen auf ein Einkommen für die Dauer der Elternzeit. Zweiteres können Studien zumindest nicht nachweisen (Väterreport 2018 [2]):

Die Nutzung von Elterngeldmonaten führt bei der Mehrheit der Väter zu keinen langfristigen negativen Folgen im Beruf; dies gilt insbesondere für die mehrheitlich in Anspruch genommene zweimonatige Elternzeit durch Väter. Aber auch bei einer längeren Phase der Elterngeldnutzung sind die Auswirkungen meist temporärer Art. Statt eines Karriereendes lässt sich eher ein „befristeter Karriereknick“ beobachten.

Zum Ende dann die  gute Nachricht. Entscheiden sich Männer für eine längere Elternzeit, sind sie im Anschluss auch eher bereit Stunden zu reduzieren und das wirkt sich positiv auf die Partnerschaft und die Beziehung zu den Kindern aus. V.a. Mädchen profitieren übrigens von der Beteiligung der Väter am Lebensalltag.

Väter, die Elterngeldmonate in Anspruch genommen haben, sind auch nach dem Elterngeldbezug aktiver in der Kinderbetreuung. Mehr als die Hälfte der Väter, die drei Monate oder länger in Elternzeit waren, berichten, dass sie sich mit ihrer Partnerin die Familienarbeit nun gerechter aufteilen. Dabei gilt: Je mehr Elterngeldmonate der Vater in Anspruch nimmt, desto intensiver gestaltet sich die Vater-Kind-Beziehung und desto deutlicher fällt der Zuwachs an Egalität in der Paarbeziehung aus. Und sogar unabhängig davon, wie lange Väter Elterngeld bezogen haben, wird die Familienarbeit auch Jahre später gleichmäßiger zwischen den Partnern aufgeteilt als in den Familien, in denen der Vater kein Elterngeld genutzt hat.

In Familien mit partnerschaftlichen, vollzeitnahen Arbeitszeiten sind für die große Mehrheit der Kinder beide Elternteile gleichermaßen Bezugsperson, was als Bereicherung erlebt wird, denn viele der Eltern ergänzen sich in ihren Stärken und Eigenschaften, sodass sich das elterliche Angebot für die Kinder erweitert.

Dieser Vorteil, auch mit dem Vater unter der Woche Zeit verbringen zu können, wird ganz besonders häufig von den Mädchen formuliert. Für sie (aber auch die Söhne) öffnet sich die Tür zu einem anderen, eher geschlechtsuntypischen Aktivitätsbereich. Denn mit den Vätern gehen verstärkt außerhäusliche, sportliche und handwerkliche Freizeitaktivitäten für die Kinder einher. Von dem intensiveren Kontakt zu ihren Vätern und dem damit einhergehenden breiteren Aktivi- tätsangebot scheinen besonders die Mädchen zu profitieren.

 

Amen.


[0] Damit sind die Freiberufler schon raus. 4,3 Mio von 43,5 Erwerbstätigen in D

[1] https://www.finanzen100.de/finanznachrichten/wirtschaft/lohnunterschiede-mit-diesem-einkommen-gehoert-ihr-in-eurem-bundesland-zu-den-oberen-50-prozent_H54665573_476378/

[2] https://www.bmfsfj.de/blob/127268/2098ed4343ad836b2f0534146ce59028/vaeterreport-2018-data.pdf

Der Beitrag Elternzeit für Männer – unfinanzierbar erschien zuerst auf Das Nuf Advanced.

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moschlar
6 days ago
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Picknick



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moschlar
10 days ago
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Über Zugfahren in Europa

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Über Zugfahren in Europa

Jeder Mensch braucht mal Urlaub, so auch ich. Und so zieht es mich dieses Jahr nach Lissabon. Pastel de Nata, ein Besuch von Quinta da Regaleira ... die Stadt und die Region haben es mir einfach angetan. Und wie so oft beginnt Reisen mit Recherche: Wie komme ich dahin - mit dem Zug? Das Ergebnis ist ein Hilferuf an Europa, das uns ja nun schon Reisefreiheit, eine praktische gemeinsame Währung und kostenloses Roaming verschafft hat. Aber vernünftig Zug fahren durch Europa, abseits der direkten Nachbarmetropolen: Das kann so nicht bleiben. Ein Rant.

Ich liebe Zugfahren. Doch, ganz ehrlich. Das heißt nicht, dass ich alles super fände; auch ich bin genervt von kaputten Toiletten, Verspätungen, ausgefallenen Reservierungsanzeigen und umgekehrter Wagenreihung. Da muss ich nichts schönreden; Vieles könnte besser sein. Aber im Großen und Ganzen bringt mich die Bahn in den meisten Fällen dahin wo ich will, und in den meisten Fällen auch in akzeptabler Zeit. Und wenn das mal nicht klappt, denke ich mir: Herrje, auch mit einem Auto könnte ich eine Panne haben oder im Stau stehen. Das wäre dann auch nicht besser. So oder so: Dass ich die Bahn liebe, ist keine Vernunftentscheidung. Ich find's meistens wirklich schön. Wer je mit dem Intercity durch's Mittelrheintal gefahren ist, bei Sonnenaufgang auf die Loreley geschaut hat und dabei ein warmes Croissant geknuspert hat, wird mir da vermutlich beipflichten. Ich liebe auch das Reisen an sich, also nicht nur das Ankommen, sondern auch die Fahrt.

Dank meiner vielen berufsbedingten Reisen rechnet sich für mich eine BahnCard 100, die für mich "mein Auto" darstellt, und als ich sie mir erstmals leisten konnte, habe ich sie - wie auch heute noch - als größtes Privileg empfunden. Zugegeben, sie trägt maßgeblich zu einem positiveren Bahnerlebnis bei, als es der Gelegenheitsfahrer erleben mag: Kein lästiger Buchungsprozess, keine Zugbindung, in vielen Städten ÖPNV inklusive und man wird schon auch ein bisschen betüddelt mit Loungezugang und ein paar gelegentlichen Extra-Gutscheinen.

Nun fahre ich nicht nur in Deutschland gerne Bahn. Auch wenn es mich in irgendein anderes Land verschlägt, versuche ich nach Möglichkeit, den Zug zu nutzen, zur Anreise und/oder auch vor Ort - nicht nur wegen meines Klimagewissens, sondern weil ich vor allem neugierig bin und es eine wunderbare Art finde, Strecken und Ziele zu erkunden.

Direkte Nachbarmetropolen? Easy.

Meinen Kollegen luto in Wien besuchen? Es gibt einen Nachtzug, den ich daheim in Mainz besteigen kann und mit dem ich morgens ausgeschlafen in Wien eintreffe. Der ist von der ÖBB betrieben, die das Nachtzuggeschäft der DB einstmals übernommen hatte. Kein Umstieg, Kostenpunkt in der Regel unter 49-69 Euro im Liegewagen, und ich habe direkt den Ankunftstag praktisch komplett in Wien. Ich habe luto ein bisschen damit angesteckt - auch seine umgekehrten Besuche bei den Entwicklerkollegen in Deutschland werden per Nachtzug realisiert.

Oder mal ein Besuch in London? ICE nach Brüssel, mit dem Eurostar durch den Tunnel und in wenigen Stunden entspannt mitten in der Stadt angekommen, je nach Buchungsklasse mit warmer Mahlzeit im Zug. Ich find's großartig und hoffe, dass diese Möglichkeit, Brexit hin oder her, erhalten bleibt. Dass der Zug die klimafreundlichere Variante als der Flug ist, ist ein netter Nebeneffekt, aber ich finde es eben auch einfach bequemer, schöner und entspannter.

Die Strecke nach London ist allerdings in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme. Der Eurostar gehört zum Railteam, einem Zusammenschluss europäischer Hochgeschwindigkeitsbahnen, zu dem auch die DB gehört. Ich kann also problemlos eine Fahrkarte von Mainz nach London buchen - aber, und da fängt das Ärgernis an, nur nach London. Will ich in eine andere Stadt auf der Insel, brauche ich ein weiteres Ticket eines anderen britischen Eisenbahnunternehmens.

Und damit eröffnet sich das Kapitel, das für mich mit großer Unzufriedenheit verbunden ist. Denn ich möchte zum Urlaub ja nicht nach London, sondern nach Lissabon.

rail.cc, der Fernwehgenerator

Wenn man keine Ahnung hat, wie man irgendwo auf der Welt mit dem Zug hin kommt, ist rail.cc meine liebste Anlaufstelle. Das ist eine Zug-Informations-Website, die von Bahn-Enthusiasten betrieben wird. Man kann dort keine Tickets kaufen, aber wollte ich beispielsweise von Mainz in die mit Mainz befreundete Stadt Baku in Aserbaidschan reisen, so wüsste rail.cc bereits, dass ich dazu entweder über Berlin und Moskau reisen müsste, oder durch Polen und die Ukraine, oder - die vermutlich spannenste Strecke - durch Ungarn, Rumänien, Türkei und Georgien. Samt Beschreibung, wie man von Kars in der Türkei nach Batumi in Georgien reist und dabei den Grenzübertritt meistert. Auf rail.cc zu schmökern, ist nicht nur praktisch und hoch informativ, es macht auch ordentlich Fernweh.

Nach Lissabon zu kommen, ist eigentlich recht einfach: Im ersten Abschnitt von Mainz nach Paris, im zweiten Abschnitt von Paris zum französisch-spanischen Grenzbahnhof Hendaye, und von dort, im dritten Abschnitt, startet er: Der legendäre Nachtzug nach Lissabon, heute bekannt als Trenhotel 313.

Als alter Bahnfuchs bin ich natürlich nicht so blauäugig, einfach auf bahn.de zu gehen, "Mainz" und "Lissabon" einzugeben und das Beste zu hoffen: Da ist schon abzusehen, dass mich überall ein "Preisauskunft nicht möglich" begrüßen wird.

(Ganz davon abgesehen ist es bis heute nicht möglich, auf bahn.de - oder im DB Navigator - auf einer Strecke ins Ausland die BahnCard 100 so anzugeben, dass der deutsche Streckenabschnitt nicht berechnet wird - das funktioniert nur am Automaten oder im Reisezentrum. Die BahnCard 100 gibt es übrigens seit 2003, also seit 16 Jahren, als Nachfolger der früheren persönlichen Netzcard, die es seit... anno dazumal gibt. Da habe ich noch nicht gelebt. Dass es bis heute nicht möglich ist, online bei der DB ein Ticket mit lediglich ausländischem Streckenanteil zu buchen, ist mir ein Rätsel. Will ich beispielsweise in die Niederlande reisen, so buche ich mein Ticket bei der niederländischen Bahn - da kann ich die BahnCard 100 nämlich als Rabattkarte angeben und zahle dann nur den niederländischen Streckenanteil. Aber das nur am Rande.)

Tickets buchen

Wo also buchen, wenn man über Ländergrenzen hinweg reisen will? An Portalen dafür mangelt es nicht. Trainline ist recht beliebt, omio (früher go euro) ebenfalls eine Alternative, und auch über Gleisnost als menschlicher Buchungsagentur höre ich nur Gutes. Aber egal, worüber man bucht: Es entsteht dabei nicht das, was unter dem schönen Begriff der "Reisekette" bekannt ist. Mit der hat man unter Umständen auch schon in Deutschland zu tun: Würde beispielsweise ein Mainzer Student einen ICE von Frankfurt nach Berlin mit Zugbindung buchen und dann aber die Strecke von Mainz nach Frankfurt mit seinem Semesterticket absolvieren, und genau diese Regionalverbindung fällt dann aber aus oder ist zu spät und der ICE ist weg, dann heißt es: Pech gehabt. Das Ticket galt von Frankfurt nach Berlin, und er war nicht rechtzeitig zur Abfahrtszeit in Frankfurt.

Und da beginnt dann die Crux: Ich kann zwar die Verbindung von Mainz nach Lissabon bei Trainline buchen, so weit, so gut. Ich bekomme dann aber ein DB-Ticket von Mainz nach Paris, ein SNCF-Ticket von Paris nach Hendaye sowie ein renfe-Ticket von Hendaye nach Lissabon (was ohnehin ein bisschen amüsant ist, weil renfe die spanische Eisenbahngesellschaft ist, aber weder Hendaye noch Lissabon in Spanien liegen, sondern nur der Großteil der Strecke dazwischen). Ich habe im Ergebnis also keine zusammenhängende Reisekette. Aber das stellen wir mal für einen Moment zurück und schauen auf's Geld.

Money, money, money

Die Strecke nach Paris gibt's im günstigsten Fall für 39,90 Euro - Super Sparpreis Europa. Der Preis hat dann eben alle Schikanen, die man so abgreifen kann: Zugbindung natürlich, kein Cityticket, kein Umtausch, keine Stornierung. Auf dem Papier soll's den Super Sparpreis Europa auch schon für 29,90 Euro geben, aber den habe ich in der Praxis nicht finden können. Vielleicht gibt's den auch nur bei kürzeren Relationen, wer weiß - wie das eben so ist bei "ab"-Preisen.

Von Paris nach Hendaye geht's mit einem durchgehenden TGV. Hier liegt der günstigste Preis, den ich finden konnte, bei 25 Euro - mit viel, viel, viel Glück und ausreichend langer Vorausbuchung; der Tarif war auffindbar, aber Stand heute (September) frühestens im Dezember. Immerhin: Vor Abfahrt ist diese Fahrkarte gegen Gebühr sogar umbuchbar und stornierbar. (Bei einer Umbuchung ist natürlich ggf. Aufpreis zu zahlen.)

Und schließlich dann: Der Nachtzug nach Lissabon. Der startet gemütlich abends um 18:35 in Hendaye und kommt morgens um 7:30 Uhr in Lissabon am Bahnhof Santa Apolonia an. Regulär kostet diese Verbindung 71,50 Euro im Sitzwagen bzw. 95,50 Euro im Liegewagen; ich konnte aber tatsächlich einen an wenigen Tagen verfügbaren Promo-Preis von 57,30 Euro für den Liegewagen finden. Das dann natürlich mit Zugbindung, keine freie Platzwahl, keine Umbuchung, keine Stornierung.

Schauen wir also kurz auf unsere Reisekasse, so stehen wir jetzt bei 122,20 Euro - ausschließlich für die Hinfahrt, versteht sich. Rückfahrt inklusive liegen wir dann also bei 244,40 Euro. Das ist dabei, wohlgemerkt, ein vollkommen fiktiver Preis: Dass man unmittelbar aufeinanderfolgend einen Super Sparpreis Europa und ein 25-Euro-Ticket der SNCF und den Promo-Preis für den Nachtzug nach Lissabon bekommt, dürfte wohl praktisch ausgeschlossen sein. Schon auf zwei von drei Strecken einen günstigen Preis zu erwischen, erscheint einigermaßen unwahrscheinlich.

Die Reisedauer liegt dabei bei rund einem Tag, genauer gesagt 26 Stunden: Um 6:29 Uhr geht's in Mainz los, in Paris ist man am frühen Mittag und hat dort zwei Stunden totzuschlagen (und nebenbei von einem Bahnhof zum anderen zu wechseln), und in Hendaye hat man am frühen Abend dann auch nochmal eine Stunde Umstiegszeit. Ankunft 7:30 Uhr. (Die verbliebene Stunde Differenz entfällt auf die eine Stunde Zeitverschiebung.) Schon klar: Schnell ist das nicht, aber das war auch nicht meine Anforderung. Wie gesagt, ich komme nicht nur gerne an, sondern ich reise auch gerne. Einen kompletten Tag in Zügen zu verbringen stellt für mich kein Hindernis dar, sondern ist eher ein Grund für kribbelnde Vorfreude.

Preisvergleich: Vom bei Mainz um die Ecke gelegenenen Frankfurter Flughafen aus ist es geradezu trivial, für unter 200 Euro nach Lissabon und zurück zu fliegen, teilweise schon für Beträge von nur knapp über 100 Euro. Das sind in diesem Fall nicht die speziellsten Spezialtarife, sondern eher die Regel, wenn man jetzt nicht an ganz bestimmte Uhrzeiten oder Gesellschaften gebunden ist und seinen Reisetag vielleicht um +/- einen Tag variieren kann. Die Reise per Zug kostet also Pi mal Daumen das Doppelte - im unrealistisch günstigsten Fall. Behalten wir das mal im Hinterkopf.

Hätte, hätte, Reisekette

Wer schon einmal Zug gefahren ist, der weiß: Eine richtig heftige Verspätung von mehr als nur ein paar Minuten ist überhaupt keine Seltenheit. Mit dem Intercity nach einem Besuch beim Kollegen Mic in Düsseldorf die Rheinstrecke entlang nach Mainz, und kurz vor Koblenz gibt's einen Personenschaden? Tja, dann heißt es zurück bis Köln, über die dortige Südbrücke und mit 80 km/h über die Güterstrecke auf der anderen Rheinseite. Ein, zwei Stunden Verspätungen kommen da easy bei raus. Auf meiner letzten Auslandszugfahrt von Mannheim nach Marseille war gerade die Schnellstrecke um Lyon gesperrt. Zugumleitung, 80 Minuten Verspätung am Zielort. Gar nicht zu reden von dem ICE aus Berlin, in dem ich einstmals saß: Nicht nur, dass der Sturm einen Baum entwurzelt hatte und ihn auf die Oberleitung fallen ließ - wir fuhren da auch noch direkt rein und haben die Oberleitung abgerissen. Evakuierung durch das THW, mit Gepäck nachts im Regen durch den Wald wandern - eine Geschichte für die Neffen und Nichten am Kamin. Gut, das ist selten. Aber Verspätungen von einer Stunde oder mehr, oder auch einfach ein kompletter Zugausfall: Das kommt schon nicht nur einmal im Leben vor. "Oft" wäre übertrieben, aber oft genug, dass man es realistisch einkalkulieren muss.

Und damit kommen wir zurück zur Reisekette. Wenn's nämlich mit der Verbindung nach Paris zu Problemen kommt und ich den TGV nach Hendaye nicht mehr kriege, dann ist das mein Pech. Die SNFC wird mir nämlich sagen: Ja sorry, sie waren halt nicht pünktlich in Paris am Bahnhof. Ist ja nicht unser Problem, dass sie vorher mit der DB gefahren sind.

Okay, vielleicht etwas zu dramatisch: In der Praxis kooperieren DB und SNCF sehr gut und sind ja auch beide Mitglied im Railteam. Man kann daher schon auf eine gewisse Kulanz spekulieren. Aber, und das ist der springende Punkt: Einen Anspruch darauf gibt es nicht. Und das macht ein Problem, von dem ich finde, dass es das Problem der Eisenbahnunternehmen sein sollte, zu meinem eigenen Problem.

TGVs zwischen Paris und Hendaye fahren viele. Mit etwas Kulanz kommt man da also vielleicht durchaus weiter, nur eben ein bisschen später. Dann aber dann geht es um den Nachtzug. Nachtzüge sind aus naheliegenden Gründen reservierungspflichtig, denn niemand möchte in einen Nachtzug steigen, in dem er dann vielleicht keine Schlafgelegenheit hat. Das heißt aber auch in der Folge: Wenn man den verpasst, muss man erstens 24h auf den nächsten warten - hat also eine zusätzliche Hotelübernachtung auf der Rechnung. Und im nächsten Zug ist dann vielleicht - ach was: wahrscheinlich! - gar kein Bett frei. Auch den Nachtzug von Mainz nach Wien sollte man besser einige Wochen im Voraus buchen; kurzfristig ist da nichts zu wollen: In der Regel ist er ausgebucht.

Dann vielleicht Interrail?

Interrail ist schon lange kein Angebot ausschließlich für Jugendliche mehr - auch Erwachsene können (zu einem etwas höheren Preis) die beliebten Tickets erwerben, mit denen Zugreisen gemäß eigenem Selbstverständnis nicht nur günstig, sondern vor allem auch flexibel und spontan ist. In der Theorie ist das auch so: Ich trage die vor mir liegende Strecke in mein Reisetagebuch ein, trage den Tag als "Reisetag" auf meinem Ticket sein und steige einfach ein.

In der Praxis stehen dem aber Reservierungspflichten insbesondere in Hochgeschwindigkeitszügen entgegen: Kann man einen deutschen ICE noch ohne Platzreservierung nutzen, so ist sie im französischen TGV bereits obligatorisch und kostet dort nicht einfach knapp 5 Euro wie in Deutschland, sondern je nach Verbindung einen mittleren zweistelligen Betrag als Aufpreis zum Interrail-Ticket, den man normalerweise so nicht wahrnimmt, weil die SNCF reguläre Tickets für den TGV immer inklusive Platzreservierung verkauft. Und kommt man schließlich beim stets voll gebuchten Nachtzug an, ist klar, dass es mit spontaner Zugwahl einfach nicht funktionieren kann. Zusätzlich trägt eine Reservierung im Liege- oder gar Schlafwagen schnell ein Preisschild von 40 Euro aufwärts. Rechnet man das mal komplett durch, liegt man schnell bei einem vergleichbaren Preis, als wenn man einzelne Fahrkarten gekauft hätte - und hat durch die obligatorischen Platzreservierungen ebenfalls eine Art Zugbindung an der Backe.

Davon abgesehen verschafft mir auch das Interrail-Ticket keine Reisekette und damit auch keine brauchbaren Fahrgastrechte. Und selbst wenn wir mal die Reservierungspflicht außen vor lassen: Die Reisetage eines Interrail-Tickets sind nun mal begrenzt. Habe ich zum Beispiel eins für drei Reisetage und verwende den ersten, um morgens um 6:29 Uhr in Mainz loszufahren und abends in den Nachtzug zu steigen, so brauche ich gemäß der Interrail-Nachtzug-Regeln keinen zweiten Reisetag zu verbrauchen, weil ich am zweiten Reisetag sozusagen nur noch ankomme, aber keinen neuen Zug mehr besteige. Auf der Rückfahrt geht das nicht: Den zweiten Reisetag des Tickets muss ich für den abendlichen Einstieg im Nachtzug entwerten, und den dritten Reisetag dann für die Verbindungen ab Hendaye und Paris. Habe ich also planungsmäßig knapp auf Kante gerechnet und mir den Pass mit drei Reisetagen gebucht und es geht bei den Anschlüssen etwas schief, dann kann ich nicht einfach einen Tag später reisen, denn mein Ticket hat ja keinen weiteren Reisetag mehr übrig. Und Fahrgastrechte kann ich mir an dieser Stelle in die Haare schmieren. Eine spontane Buchung für den TGV von Hendaye nach Paris werde ich jedenfalls kaum für 25 Euro kriegen. Eher für 49 Euro. Oder 76 Euro. Je nach Pech-Level. Und auch einen Super Sparpreis Europa werde ich so spontan nicht kriegen.

Das kann so nicht bleiben

Das waren noch Zeiten, als ich mit Freunden mit dem Nachtzug bis nach Kopenhagen fahren konnte, um dort morgens bei Sonnenschein und dänischen Plunderteilchen in den Bahnhof einzufahren. Inzwischen ist ein Umstieg in Hamburg obligatorisch und damit das frühere Erlebnis passé.

Der Niedergang des Nachtzugs ist eigentlich kein böser Wille gewesen: Unsere Züge sind schlicht zu schnell geworden. Wenn man über die Trasse des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit 8 in gerade mal rund vier Stunden von München bis Berlin reisen kann, ergibt es logischerweise nicht mehr viel Sinn, sich in dieser Zeit in die Horizontale begeben zu wollen. Nicht ohne Grund sind die meisten verbliebenen europäischen Nachtzüge grenzüberschreitend und nicht mehr rein national.

Die Medien beschwören in der aktuellen Klimadebatte daher nun eine Renaissance des Nachtzugs und viele Länder haben angekündigt, entsprechende Verbindungen auszubauen. Ich fände das sehr wünschenswert. (Deutschland sieht da nach wie vor keinen Markt - und es muss ja heutzutage immer um den Markt gehen und nicht etwa darum, ernsthaft etwas dafür zu tun, dass Europa zusammenwächst).

Woran es aber immer noch mangelt, ist die Möglichkeit, europaweite Relationen als zusammenhänge Reisekette zu buchen - mit entsprechenden Fahrgastrechten in der Konsequenz: Aufheben von Zugbindungen, Weitertransport im nächstmöglichen Zug, ggf. in einer höherwertigen Klasse ohne Aufpreis, Verpflegung, wo nötig Übernachtung, finanzielle Entschädigungen. Also so, wie man das vom Flugreisen her kennt.

Das ist der Punkt, an dem ich vom Status Quo aufrichtig enttäuscht bin: Nicht nur, dass Zugfahren durch Europa teurer ist als Fliegen, und zwar nicht nur ein bisschen, sondern erheblich teurer. Nicht nur, dass es länger dauert als Fliegen, und zwar nicht nur ein bisschen, sondern erheblich länger. Nein, vor allem wurmt mich, dass bei einem Flug, der signifikant zu spät kommt, meine Reisekasse klingelt oder ich auf eine Business Class hochgebucht werde oder ein Hotel spendiert kriege und ich auf jeden Fall den Eindruck habe, dass die Fluggesellschaft alle Hebel in Bewegung setzt, mich so gut es geht zum Ziel zu bringen und mir als Entschuldigung noch Geld hinterher zu werfen.

Reise ich hingegen mit der Bahn, reise ich riskant: Ohne durchgehende Reisekette wirft mir nicht nur niemand Entschädigungsgeld hinterher, sondern ich stehe vielmehr an dem Punkt, an dem die Verbindung kracht, dumm in der Gegend rum, kann mir meine zuggebundenen Folgetickets ersatzlos in die Haare schmieren und habe für eine Weiterreise mit Mehrkosten zu kämpfen, die den ursprünglichen Reisepreis um ein Vielfaches übersteigen können, je nachdem wie ungünstig die Reisekette bricht.

Ganz ernsthaft, ich kann viele Lanzen für die Bahn brechen und gerade Autofahrern in säuselndem Singsang von der Möglichkeit, ein Schläfchen zu halten, vorschwärmen, von der Möglichkeit, sich auf der Fahrt die Beine zu vertreten, einen Kaffee aus der Porzellantasse bei 300 km/h zu trinken, mit dem Junior Gesellschaftsspiele zu spielen oder sich ein Feierabendbier zu gönnen, ohne sich um Fahrtauglichkeit sorgen zu müssen. Klar, die Argumente packen nicht jeden, aber Einige schon. Ich bin da kein Missionar; ich lebe einfach nur zufriedenes Bahnfahren vor, und das ist manchmal schon genug, um andere neugierig zu machen.

Aber mit der Bahn über eine längere Strecke in ein anderes, europäisches Land zu reisen, in eine Stadt abseits der paar Metropolen, die mit dem Railteam erreichbar sind? Das kann ich niemandem empfehlen, der nicht vollkommen schmerzgeil und mit einem dicken Notfallgeldbeutel gesegnet ist. An diesem Punkt schäme ich mich für "meine" Bahn, für "meine" EU. Es gibt zwar ein Kulanzabkommen namens Agreement on Journey Continuation und die Bahn formuliert so nett:

In den meisten Fällen sind die Eisenbahnverkehrsunternehmen untereinander in diesem Fall kulant und befördern Sie auch in einem alternativen Zug ohne Mehrkosten

Allerdings ist Kulanz etwas anderes als Fahrgastrechte, und außerdem nehmen daran bei weitem nicht alle europäischen Bahnen teil - beispielsweise ist die ÖBB mit ihrem Nightjet aus dem Abkommen ausgestiegen.

Selbsterkenntnis ...

Erkannt ist das Problem sehr wohl, schreibt doch die DB selbst in ihrem Kundenforum:

Bei den Fahrgastrechten im internationalen Eisenbahnverkehr steht, dass jede Fahrkarte einen eigenen Beförderungsvertrag darstellt. Die internationalen Fahrgastrechte sind ja unabhängig von der Buchungsplattform. Einseitige Regelungen eines EVUs nutzen hier auch nichts. Hier müssen dann alle beteiligten EVUs zu einer Vereinbarung kommen.

Ja! Genau!

Ersetze "EVU" (Eisenbahnverkehrsunternehmen) durch "Mobilfunkprovider" und "Beförderungsvertrag" durch "Mobilfunkvertrag" und wir haben gesehen, was plötzlich möglich wird, wenn die EU es will: Wir alle können nach Belieben in europäische Länder reisen, unsere Flatrates mitnehmen, surfen wie gewohnt, und im Fall des StreamOn-Angebots der Telekom inzwischen auch europaweit ohne Traffickosten netflixen und youtuben (dass das wiederum ein Fall für die Netzneutralität ist, steht auf einem anderen Blatt).

... der noch Taten folgen müssen

Wenn die EU ernsthaft auch Leute aus den Fliegern holen und auf die Schiene bringen will, braucht es vielleicht auch hier mal eine Ansage aus Brüssel: Die europaweite Reisekette muss kommen. Zugfahren ist schon vom Kosten- und Zeitaspekt her hart im Nachteil gegenüber dem Flugzeug, und auch wenn sich am Zeitaspekt nicht so schnell etwas ändern wird (am Kostenaspekt langsam vielleicht schon): Europaweite Fahrgastrechte auf Basis einer durchgehenden Reisekette halte ich für unabdingbar, und wir können nicht darauf warten, dass die nationalen EVUs da von alleine drauf kommen. Nationale EVUs haben letztlich auch primär nationale Interessen. Für die europaweiten Interessen hingegen brauchen wir die EU und einen klaren Willen, für Reisen auf der Schiene in Europa akzeptable Bedingungen zu schaffen.

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moschlar
10 days ago
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Bitte nur noch 5 Minuten

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Das ist die verkürzte Version meines Vortrags „Bitte nur noch 5 Minuten – warum Medienzeitbegrenzungen unseren Kindern die Zukunft rauben“ den ich auf der Tagung des Zentrums für Lehrerinnenbildung zum Motto Zukunft Schule halten wollte. Leider musste der Vortrag ausfallen.

Auf wirklich jedem Elternabend zum Thema ‚Kinder und digitale Medien‘ wird am Ende gefragt: „Wie lange sollte mein Kind etwas im Internet machen dürfen?“ Die Antwort kommt meistens wie aus der Pistole geschossen. Sie lautet: „30 Minuten pro Tag“. Woher diese Zeitangabe kommt und was tatsächlich zu befürchten ist, wenn man diese Empfehlung überschreitet, wird eigentlich nie thematisiert.

Ich bin dieser Frage nachgegangen und habe mir z. B. die Meta-Studie angeschaut, auf der die dieses Jahr im Mai veröffentlichte Empfehlung der WHO [1] basiert, die maximal 60 Minuten ’sedatary screentime‘ pro Tag für Kinder ab 2 für gesund hält. Hier ist wenigstens nachvollziehbar wie die Empfehlung zustande kommt. Nämlich hauptsächlich willkürlich. Denn es zeigt sich, dass es keinen oder einen nur sehr geringen Zusammenhang zwischen der passiven Bildschirmzeit und den befürchteten gesundheitlichen Problemen gibt:

„There was no association between objectively measured sedentary time and adiposity or motor development. […] The overall quality of evidence was rated as very low.“

Auch Wissenschaftler des Oxford Internet Instituts kommen zu dieser Erkenntnis:

„What did we find? Well, mostly nothing! In more than half of the thousands of statistical models we tested, we found nothing more than random statistical noise.“

Andrew Przybylski & Amy Orben [2]

Nur: aus so einer Aussage ergibt sich irgendwie keine reißerische Schlagzeile. Alarmismus hingegen verkauft sich nach wie vor hervorragend und so wird daran festgehalten, dass viel Bildschirmzeit eben viel schadet. Es wird zur elterlichen Erziehungsaufgabe Bildschirmzeit ordentlich zu begrenzen und geht es um Schulen, soll das Internet am besten gleich ganz draußen bleiben.

Für meinen Vortrag möchte ich aber genau die umgekehrte Frage stellen: Was nehmen wir den Kindern eigentlich durch strikte Medienzeitbegrenzungen? Und warum ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche ausreichend Zeit haben sich mit digitalen Medien zu beschäftigen?

Woher kommt diese Angst vor dem ‚zu viel‘?

Es ist die gute, alte Technologie-Angst, die uns verunsichert. Die Nutzung digitaler Endgeräte raubt uns den Schlaf, führt zu Übergewicht, lässt uns verdummen, wir werden digital dement, bekommen Depressionen und am Ende werden wir vielleicht sogar süchtig.Man muss nicht erst Spitzer lesen, um das zu erfahren. Schon Platon kennt digitale Demenz:

Denn diese Erfindung wird der Lernenden Seelen vielmehr Vergessenheit einflößen aus Vernachlässigung des Gedächtnisses, weil sie im Vertrauen auf die Schrift sich nur von außen vermittelst fremder Zeichen, nicht aber innerlich sich selbst und unmittelbar erinnern werden.

Platon, Phaidros 274e-275b

Es geht hier um das Teufelswerkzeug Schrift, aber ändert man das Zitat ein wenig, passt es hervorragend auf das Digitale:

Denn das Internet wird Kinder u.a. vergesslich werden lassen, weil kein Kind mehr sich die eigentlichen Inhalte sondern lediglich den Ort merken wird, an dem das Wissen zu finden ist. Das Wissen bleibt nicht im Kopf! 

(Im Übrigen ist die Aussage gar nicht so falsch. Das hat aber etwas mit der Funktionsweise des Gedächtnisses zu tun und nicht so sehr mit der Schrift und/oder dem Internet… die Frage ist nur: ist es wirklich so schlimm, wenn ich Informationen nicht direkt parat habe, sondern sie ggf. nachschlage?)

Zu den gängigen Befürchtungen was das Internet schlimmes mit unseren Kindern (den Menschen als solches) macht, lassen sich auch hervorragend alle die Standardsituationen der Technologiekritik von Kathrin Passig [3] aufzählen. Punkt 9 ist in Hinsicht auf Kinder und Schule vielleicht am relevatesten. Er lautet:

Hat die neue Technik mit Denken, Schreiben oder Lesen zu tun, dann verändert sie ganz sicher unsere Denk-, Schreib- und Lesetechniken zum Schlechteren.

Wäre das auch geklärt.

Es gibt also eine tief verankerte Angst vor technischen Neuerungen und gleichzeitig eigentlich das Wissen, dass es keine wissenschaftlichen Belege gibt, dass zu viel Bildschirmzeit per se [4] einen negativen Einfluss hat.

Warum halten wir dennoch dran fest?

Mit der Frage „Wie lange?“ scheint eben die Idee transportiert zu werden, dass Zeitspanne X unschädlich ist, sprich keine irreparablen Langzeitschäden verursacht, während Zeitspanne Y irgendwas kaputt macht. Ich stelle mir das vor wie bei meiner ersten Zahnreinigung: Da holte die Zahnarzthelferin am Ende eine Art Schmirgelpapier hervor, um mir die Zahnzwischenräume zu reinigen. Ich fragte, ob das nicht den Zahnschmelz zerstöre, und sie sagte: „Nein, das ist sehr feines Papier, und meine Bewegungen sind zu langsam. Das Papier entfernt jetzt nur die letzten Reste Belag. Würden Sie das jeden Tag und mit einer schnell rotierenden Maschine machen, dann würde man die Zähne schon kleiner schmirgeln.“

Uuuh. Kleingeschmirgelte Zähne will ja nun niemand. Deswegen lieber nur alle 6 Monate 2 Minuten! Dann ist es gut für mich. Mehr wäre schlecht. Dasselbe mit der täglichen Medienzeit. Jeden Tag 30 Minuten sind okay. Mehr schadet.

Das ist sehr einleuchtend, oder nicht? Die Regel „Nur 30 Minuten, dann ist aber Schluss!“ ist leicht zu verstehen, (theoretisch) leicht umzusetzen und das Beste: zeitsparend für Erziehende. Kann man nämlich alle Gefahren durch Reduktion der Zeit abwehren, muss sich niemand mit Cyber-Mobbing, Cyber-Grooming, Datenschutz oder Phänomenen wie den Lootboxen auseinandersetzen.

 

Soweit so klar erstmal. Die interessante Frage ist jetzt: Was rauben wir unseren Kindern, wenn wir ihnen nicht ausreichend Zeit geben sich mit digitalen Medien auseinanderzusetzen?

Welche positiven Effekte klaut man den Kindern mit Medienzeitbegrenzungen?

Es gibt eine Menge positiver Effekte, die Medienzeitbegrezungen verhindern. Hier einige Beispiele:

  • Emergentes Lernen
  • Aufwand für Digitalisierung
  • Selbst- und Zeitmanagement
  • Anschluss an die Peergroup

Emergentes Lernen

Kennt ihr das? Das Kind macht eigentlich gar nix ‚richtiges‘ im Internet. Es surft nur so rum? Stundenlang wenn man es nicht begrenzt! Schaut sich ein Schwachsinnsvideo nach dem anderen an!

Was dabei leicht übersehen wird: Es wird immer gelernt und eben durchaus auch Dinge, die später von Nutzen sind. Auch durch ‚zielloses‘ Surfen. Beim emergenten Lernen sind die Lernergebnisse spontan und ungeplant und entstehen u.a. durch Interaktion untereinander.

Meine Kinder bilden sich kontinuierlich selbst fort. Was unser Haushalt z.B. über Feuerwanzen, Flaggen oder Regenwümer weiß, ist wirklich höchst erstaunlich. Der Weg dorthin ist immer derselbe: Ein Kind sieht ‚rote Käfer‘ auf dem Schulweg und sucht danach im Internet. Es findet heraus, dass die Käfer Wanzen sind, die aber keine Schädlinge darstellen. Sie ernähren sich von Pflanzensäften und kleinen Insekten. Es weiß dann: Feuerwanzen sind ungefährlich, aber sie können ein übelriechendes Sekret absondern. Im Kopf entfaltet sich durch das Hin- und Herklicken eine Mindmap, die alles zu Feuerwanzen herausfindet: Wie vermehren sie sich? Wie wachsen sie auf? Wie ernähren sie sich? Warum sind sie zu bestimmten Jahreszeiten mehr zu sehen als zu anderen?

Auch der viel beschimpfte ‚Second Screen‘ bildet (Kinder und Jugendliche) weiter. Was oft als „Könnt ihr euch nicht mal auf eine Sache konzentrieren?“ beschimpft wird, baut umfassendes Wissen auf. Ich kenne es von mir selbst. Wenn ich alleine Filme oder Serien schaue, brauche ich meist vier Mal so lange. Ich schaue ein Stück „Die eiserne Lady“, lese zur Biografie von Margaret Thatcher, lese über Airey Neave und erfahre, dass der Film seinen Tod historisch nicht korrekt dargestellt hat. Ich bekomme Lust auf schwarzen Tee, lese über Cucumber Sandwiches, beschäftige mich mit dem Falklandkrieg (und kapiere endlich wie weit entfernt die Falklandinseln von GB sind)… genau genommen habe ich den Film ungefähr vier Tage lang geschaut, v.a. auch weil ich gehofft habe den ganzen Brexit am Ende zu verstehen. Daran bin ich aber gescheitert. Alles schafft die Digitalisierung eben auch nicht.

Aufwand für Digitalisierung

Viele Technologien oder soziale Netzwerke oder Software kann man zwar ohne große Einführung benutzen, aber den vollen (naja den nutzbringenden) Funktionsumfang erlernt man erst durch die regelmäßige Nutzung. Das gilt z. B. auch für Schreibprogramme. Man muss durch die neun Vorhöllen bis man die meisten Kniffe kennt. Wer diese Vorhöllen (Absatzformatierung, Nutzung von Tabulatoren, Formatierung von Tabellen, Fuß- und Endnoten, Seriendruck …) schon lange vor der Erstellung der ersten Hausarbeit durchlaufen hat, kann sich glücklich schätzen, denn dann entfällt der ‚Aufwand für Digitalisierung‘ (s.u.).

Vom Mehrwert zum Wert des digitalen Arbeitens [5]
Das selbe gilt für soziale Plattformen. Und es gilt auch: je mehr man sie benutzt, desto mehr Nutzen haben sie. Und dann, um bei den Sprichwörtern zu bleiben: Kennste eine, kennste alle. Natürlich baut man beim Kennenlernen jeder einzelnen Plattform Wissen auf, das man auf neue Plattformen und Technologien übertragen kann, so dass man hier viel schneller Lauffähig wird als bei der ersten Plattform. Dafür braucht man aber Zeit!

Selbst- und Zeitmanagement

Was sich ja angeblich alle Eltern wünschen, sind Kinder und Jugendliche, die sich selbst regulieren, oder? Habt ihr euch schon mal gefragt, wie man Selbstregulation lernt, wenn man Geräte fremdbestimmt abschalten soll? Im ‚besten‘ Fall auch noch durch oftmals viel gelobte Kontrollsoftware getriggert.

Was an Elternabenden immer für eine Begeisterung ausbricht, wenn ein Elternteil von einer Software oder App berichtet, in der man für jedes Kind eine festgelegte Bildschirmzeit hinterlegt, die dann, egal was das Kind gerade macht, den Bildschirm sperrt und anzeigt: „Deine Bildschirmzeit ist aufgebraucht.“ Wohoooo! Da müssen die Eltern sich wirklich um gar nix mehr kümmern und nicht mal den kindlichen Frust aushalten.

Ich stelle mir immer vor wie frustrierend das wäre, wenn mich jemand so regulieren würde. Wenn ich nicht eigene Maßstäbe entwickeln könnte, wann ich aufhöre. Ich habe mir z. B. angewöhnt sehr spannende Serien nicht am Ende einer Folge mit dem Cliffhänger zu beenden, sondern die nächste Folge noch 10 Minuten zu schauen und dann abzustellen. Das funktioniert für mich perfekt und zwar ohne Frust. Schade wenn meine Bildschirmzeit dann der Länge einer Folge und nicht der Länge einer Folge plus 10 Minuten entspricht… So ist es für Kinder auch. Computerspiele haben z.B. eigene Spannungsbogen. Wenn man die Kontrollsoftware auf dem Klimax anspringt, ist es irgendwie verständlich, wenn das Kind frustriert ist. Besser ist es doch, wenn Kinder sich überlegen: „Wie lange brauche ich ungefähr? Was steht heute noch an/passt es gerade? Habe ich meine Hausaufgaben schon gemacht? Geht es heute vielleicht länger, weil doch Wochenende ist? etc.“ Sie können Selbst- und Zeitmanagement nicht lernen, wenn wir festlegen, wann Schluß ist. Das gilt auch für jüngere Kinder, die sicherlich Unterstützung brauchen. Allerdings trifft man auch hier besser gemeinsame Vereinbarungen „Eine Folge Paw Patrol und dann machst Du selber aus, okay?“ Dass das hilft, weiß man doch eigentlich schon seit Peter Lustig.

Anschluss an die Peergroup

Nicht zuletzt verbauen wir Kindern den Anschluss an die Peergroup durch Medienzeitbegrenzungen.  Aktuell [6] haben 75% der 10-Jährigen ein Smartphone. Sind mehr als die Hälfte der Peergroup online, verlagert sich die Kommunikation ins Digitale. Kindern das Digitale zu verbieten, bedeutet dann den Kontakt zur Peergroup zu unterbinden. Und das behindert Kinder u.a. beim Lernen. Kinder rufen sich nicht mehr an und v.a. auf der weiterführenden Schule wohnen Kinder oft so weit auseinander, dass sie sich nicht wie früher aufs Rad schwingen um sich zum Lernen zu besuchen (was u.a. auch an den geänderten Verkehrsbedingungen liegt). Sie tauschen sich heute per Messengerdienste aus was sie lernen, wie sie lernen, wie sie Probleme lösen, welche Beispiele sie haben, welche Quellen sie verwenden.  Interessanterweise wird das schnell verurteilt. So als sei das Schummeln.

Zwanzig Jahre später sollen sie das im Arbeitsleben aber plötzlich können. Da ist es normal und sogar erwünscht ist, dass wir orts- und zeitunabhängig miteinander arbeiten. Dass wir kollaborativ arbeiten.

Ich beobachte auch sehr viel praktische Intelligenz, die Kinder durch Austausch entwickeln. Hausaufgaben werden vielleicht nicht so gemacht, wie Lehrer*innen sich das vorstellen – aber wie schlau ist es eigentlich Französischübersetzungen per Google-Translate zu machen und dann Satz für Satz bei Linguee zu prüfen?

Technologieskepsis im Kontext der Schule

Eltern wie Lehrer*innen haben aber oft noch ein anderes Problem: Wenn Kinder und Jugendliche nämlich einfach Zugriff auf Wissen haben und selbstgesteuert lernen (wollen), dann machen sie den Erwachsenen nach und nach die Expert*innen-Rolle streitig. Und damit verlieren die Lehrenden Macht. Wir sind geprägt von der Vorstellung von Wissenshierarchien an deren Spitze eine bestimmte Person steht, die alle Antworten kennt. In Zeiten des Internets gibt es diese Hierarchien nicht mehr.

Morla hat ausgedient, denn viele Wissensgebiete entwickeln sich in einem atemberaubenden Tempo kontinuierlich weiter und der Zugriff auf Wissen ist viel leichter als früher.

Kinder mit Internetanschluss müssen sich nicht in kleinen Stadtbibliotheken um Antworten auf bestimmte Fragen zu finden und um zu recherchieren. Sie sind nicht mehr angewiesen auf den einen Chemie-Lehrer, der langweilig und alltagsfremd erklärt. Sie können sich das Wissen selbst zusammensuchen und z. B. so tollen Kanälen wie maiLab folgen.

Für manche ist es vielleicht bedrohlich, dass Kinder und Jugendliche auf bestimmten Themen bereits Expert*innen sind. Ich erinnere mich noch gut an meine Schulzeit, wo mir in den Fächern, die mich brennend interessiert haben, neben die Antworten von Schulaufgaben ein roter Blitz mit den Worten: „Das war nicht Inhalt des Lehrbuchs“ geschrieben wurde. Auch in der Klasse meines Kindes hörte ich von einem ‚Störer-Kind‘, das eigenständig im Arbeitsheft weitergearbeitet hatte, weil es schneller als die anderen war und sich irgendwann anfing zu langweilen, weil alles im Arbeitsheft gelöst war. Die Eltern wurden zum Gespräch gebeten: Das Kind solle aufhören immer weiter zu arbeiten, das störe die Abläufe im Unterricht!

Natürlich ist das Internet, sind Smartphones Beschleuniger solcher Entwicklungen. So wird manchmal versucht die alten Machtverhältnisse durch Begrenzung oder Verbot wiederherzustellen. Smartphone aus der Schule! Und wo das scheitert, heißt es: Dann die Hardware in die Hände der Erziehenden/Lehrenden! (Was nicht selten in Überforderung endet)

Wäre es nicht viel sinnvoller alte Muster abzustreifen und sich auf Augenhöhe mit den Lernenden zu begeben? Sollten Lehrende nicht lieber Prozessbegleiter*in werden? Kindern nicht verbieten Übersetzungprogramme zu verwenden sondern ihnen beibringen wie man die Ergebnisse auf Richtigkeit prüft? Zeigen, wo man Lernhilfen findet? Wie man ein Peer-Review macht?

Morla muss also geupdatet werden: Lehrende sind nicht mehr Gatekeeper*innen sondern Moderator*in und Coach von Lernprozessen anstatt wie bisher Stofflieferant und Wissenstrainer.

Die Digital Natives werden es schon richten?

Lehrende sind also nicht überflüssig, sondern ihre Rolle ändert sich. Denn die Generation, die wir Digital Natives nennen, braucht weiterhin Unterstützung – sogar in technischen Fragestellungen.

Oft wird so getan als ob Digital Natives keine Begleitung und/oder Unterstützung brauchen, weil sie sich mit dem Digitalen doch ohnehin besser auskennen. Mitnichten ist das so. Sie haben zwar wenig Berührungsängste mit Technologien und einen leichteren Zugang zu Wissen, aber sie wissen dennoch wenig über diese Technologien. Für mich ist der beste Beweis dieser Aussage die Verbreitung von WhatsApp:  95 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen benutzen diesen Messenger nämlich mehrmals pro Woche [7]. Würden Kinder und Jugendliche breitflächig etwas von Datenschutz und den möglichen Folgen der Monopolisierung von Technologiekonzernen verstehen, würden sie nicht WhatsApp nutzen. Auch Digital Natives müssen die  Mechanismen hinter den einzelnen Technologien erst verstehen lernen, die Gefahren kennenlernen und den verantwortungsvollen Umgang damit lernen. Dafür brauchen sie Begleitung. Allerdings eben auf Augenhöhe. Lehrende müssen sich mit diesen Themen beschäftigen und sich bewusst sein, wie sehr sie an dieser Stelle auch prägen. Ich frage mich z. B. immer was passieren würde, wenn Lehrer*innen und Eltern nie „googeln“ sondern immer „duck duck goen„[8] würden. Was passieren würde, wenn vor der Frage „Gründen wir einen Klassen-Chat?“ die Frage „Welche App wollen wir für unseren Klassenchat nutzen?“ stünde.

Statt Pro und Contra…

Was meine Beispiele bislang klar gemacht haben sollen: Es ist nicht länger sinnvoll die Pro und Contras zu diskutieren (Internet/Smartphone ja oder nein?). Es ist an der Zeit aus der furchtbaren Diskussion Skeptiker vs. Enthusiasten eine fruchtbare Diskussion über Chancen und Risiken zu machen. Wir müssen dazu übergehen zu diskutieren  AUF WELCHE WEISE digitale Medien genutzt werden und nicht WIE LANGE und OB überhaupt. Medienzeitbegrenzungen werden unsere Kinder vor den wirklichen Gefahren wie Cyber-Grooming oder Cyber-Mobbing nicht schützen. Verteufelung von Technik, Internet und sozialen Medien wird die Kinder aber abschrecken und eine Kluft zwischen der Kinder/Jugendlichenwelt und der  Erwachsenenwelt schaffen. Lehrende verlieren ihre Position an der Spitze der Wissenshierarchie im Sinne von Wissensvermittler. Sie sind nicht länger diejenigen, die Wissen bereitstellen. Sie werden zunehmend die sein, die zeigen, wie man Informationen auf Richtigkeit prüft, wie man Wissen strukturiert, wie man Wissen aufarbeitet, wie man Wissen anwendet, wie man Wissen transferiert.

Ich fühle mich an dieser Stelle sehr an agiles Arbeiten erinnert. Schüler*innen werden das Projektteam. Product-Owner ist sozusagen der Lehrplan, der festlegt, wie das Endergebnis aussieht und Lehrer*innen sind die SCRUM-Master, die Schüler*innen auf dem Weg zur Erarbeitung der Endergebnisse begleiten, sie befähigen und Hindernisse aus dem Weg räumen. Es entwickelt sich (hoffentlich) eine andere Fehlerkultur und es wird immer mehr gelernt dass es sinnvoll ist, sich überhaupt (wenngleich in kleinen Schritten) nach vorne zu entwickeln, als vor dem großen Berg einer Aufgabe zu erstarren. Es geht nicht mehr um die 100% Lösung. Es geht um kontinuierliches Weiterentwickeln und Schritt halten.

Die Frage ist also nicht mehr „Vermittlung von Fachwissen“ oder „Digitalisierung“ sondern: Beides


[1] Guidelines on physical activity, sedentary behaviour and sleep for children under 5
[2] We’re told that too much screen time hurts our kids. Where’s the evidence?
[3] Standardsituationen der Technologiekritik
[4] per se schreibe ich deswegen, weil es natürlich Gefahren im Internet gibt, für die Kinder sensibilisiert und aufgeklärt werden müssen. Nur die hängen nicht an der Bildschirmzeit.
[5] Philippe Wampfler: Vom Mehrwert zum Wert des digitalen Arbeitens
[6] Studie: Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt
[7] JIM-Studie 2018
[8] es bleibt zu hoffen, dass sich ein schönerer Begriff für ‚datensensibles Benutzen einer Suchmaschine‘ etablieren würde.

 

Wenn euch meine Texte gefallen, könnt ihr mir einen Kaffee ausgeben. Darüber freue ich mich!

Der Beitrag Bitte nur noch 5 Minuten erschien zuerst auf Das Nuf Advanced.

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moschlar
22 days ago
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When I'm Back at a Keyboard

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[after typing 1,500 words on feathered dinosaurs, paleontology, sexism, lava, and dinosaurs as animals rather than movie monsters] Sorry to cut it short, I'm on my phone. When I'm back at a keyboard, I can give you another 5,000 words.
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moschlar
80 days ago
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Chernobyl

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You know when you can't hear your speakers, and you keep turning various volume controls up higher and higher in confusion, and then someone hits the mute button and there's a deafening blast of sound? That's basically what happened at Chernobyl.
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moschlar
124 days ago
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FarrelBuch
121 days ago
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Best documentary/dramatized documentary I have ever seen. The accompanying podcast series is also brilliant
Pittsburgh, PA, USA
nloveladyallen
125 days ago
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He should write a book of stuff like this
Takoma Park, Maryland
sirwired
125 days ago
He did: "Thing Explainer: Complicated Stuff in Simple Words"
nloveladyallen
125 days ago
@sirwired That’s the joke
trekkie
125 days ago
it actually hurt my head to try and read that book
ManBehindThePlan
124 days ago
I see what you did there :)
alt_text_bot
125 days ago
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You know when you can't hear your speakers, and you keep turning various volume controls up higher and higher in confusion, and then someone hits the mute button and there's a deafening blast of sound? That's basically what happened at Chernobyl.
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