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moschlar
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WLAN-Versorgung der Geflüchtetenunterkünfte: Freifunker kritisieren WLAN-Pläne des Sozialdezernats

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Die Mainzer Freifunk-Initiative kritisiert die Pläne des Sozialdezernats, die morgen im Sozial- und Finanzausschuss auf der Tagesordnung stehen. 270.000€ sollen laut Beschlussvorlage für die WLAN-Installation in Unterkünften für Geflüchtete ausgegeben werden. Für das, was die Stadt damit plant, eine zu hohe Summe laut den Freifunkern, die bereits seit über 5 Jahren Geflüchtetenunterkünfte mit freiem WLAN versorgen. 

„Als wir auf die Beschlussvorlage aufmerksam gemacht wurden, sind wir fast vom Stuhl gefallen“ erklärt Florian Altherr von der Mainzer Freifunk-Initiative. „Für uns ist unverständlich, wie man so viel Geld für WLAN-Installation an diesen Standorten ausgeben kann, zumal teilweise ja schon ein Freifunk-WLAN existiert.“ Die Kosten sind den Freifunkern zufolge um ein Mehrfaches zu hoch angesetzt. Die Freifunker sind außerdem verärgert über die abschätzigen Äußerungen über die von Ehrenamtlichen aufgebaute WLAN-Versorgung. 

Die ehrenamtlichen Freifunker, die in Mainz, Wiesbaden und Umgebung insgesamt über 1300 freie WLAN-Netze für die Allgemeinheit frei und kostenlos zur Verfügung stellen, haben seit 2015 schon viel Erfahrung mit der Versorgung der Geflüchtetenunterkünfte: In enger Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen wurden in kürzester Zeit auch größere Unterkünfte wie das Allianzhaus in der Innenstadt (DRK), die ASB-Aufnahme auf dem Layenhof oder die von den Maltesern betreuten Unterkünfte z.B. in der Altem Portland / an der Wormser Straße oder der Alten Ziegelei mit WLAN versorgt und so Tausenden Menschen der Zugang zum Internet ermöglicht. Der Zugang zum Netz sei ein wichtiger Baustein der Integration und ein Grundrecht, wie die Mainzer Freifunker finden. 

Schwierig gestalte sich neben dem WLAN vor Ort teilweise der „Uplink“, erklärt Altherr, also die Verbindung ins Internet, denn der Breitbandausbau sei auch in Mainz nach wie vor mangelhaft. Insbesondere der Glasfaser-Ausbau sei weiter im Verzug und für eine ehrenamtliche Initiative nicht zu finanzieren, aber auch über DSL die für große Unterkünfte benötigten Bandbreiten zu bekommen, sei schwierig. Die Freifunker halfen daher bei der Beschaffung alternativer vertraglicher Lösungen oder banden die Unterkünfte kurzum selbst mit Richtfunk über ihr bestehendes Backbone über den Dächern der Stadt an. Leider habe die Stadt Mainz den Freifunkern dabei in der Vergangenheit keine Hilfe geleistet und weder finanziell, noch personell oder organisatorisch unterstützt. Mit der Zurverfügungstellung von Dächern oder Netzwerken von Stadt, Stadtwerken oder KDZ wären die Geflüchteten schon längst schneller ans Netz angeschlossen, so Altherr. 

Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung habe sich in den letzten Jahren insgesamt schwierig gestaltet: Bis heute habe die Stadt an keiner einzigen Stelle ein WLAN zur Verfügung gestellt oder einen Internet-Anschluss bereitgestellt, habe Freifunk-Aktivitäten teilweise sogar blockiert. Umso mehr verärgert sind die Freifunker daher über die abschätzigen öffentlichen Äußerungen der Stadtverwaltung in ihrer Beschlussvorlage, wo Freifunk fälschlicherweise als „störanfällig“ beschrieben wird. „Freifunk ist normales WLAN und nicht störanfälliger als jede andere und auch die geplante Lösung. De facto sind Menschen seit 6 Jahren über Freifunk online, während die Stadt bis heute keinen einzigen Anschluss realisiert hat“ resümiert Altherr. Die Ehrenamtlichen, die vielen Menschen seit 6 Jahren den Zugang zum Netz ermöglichen, obwohl die Stadt ihnen bisher Steine in den Weg legt, würden mit solchen Aussagen vor den Kopf gestoßen, so Altherr. 

Die Stadtverwaltung habe eigentlich auch seit Jahren einen klaren Auftrag des Stadtrats, den Ausbau des Mainzer Freifunk-Netzes zu unterstützen, habe aber bislang keine Aktivitäten entfaltet und sei auf keine Kooperationsangebote seitens Freifunk eingegangen. Statt die Versorgung der Geflüchteten zu unterstützen, habe die Stadtverwaltung diese stellenweise sogar aktiv unterbunden, berichtet Altherr. Und von der angeblichen politischen Rückendeckung für Freifunk, die Ende letzten Jahres versprochen wurde, sei weiterhin nichts zu spüren. „Wir wurden vom Sozialdezernat seit Februar zwar zu zwei Gesprächen eingeladen, von einer Zusammenarbeit im Sinne des Wortes kann aber nach wie vor keine Rede sein. Bei Begehungen der Unterkünfte sollten wir nicht dabei sein und eine Abstimmung auf technischer Ebene fand bis heute nicht statt.“ Stattdessen bereite die Stadt nun eine neue Lösung vor, die auf einen teuren kommerziellen Anbieter setzt und wohl auch nicht an die bestehende Infrastruktur angebunden wird.  

Die Freifunker wollen nicht falsch verstanden werden: „Wir finden es sehr wichtig, dass endlich in eine bessere Versorgung der Geflüchteten investiert wird. Gerade während der Pandemie ist das Internet ein wichtiges Tor zur Welt, besonders für die Schulkinder wäre ein guter Internetanschluss essentiell. Wir freuen uns, dass die Verwaltung sich nach über 5 Jahren überhaupt diesem Thema öffnet“ sagt Altherr.

Die Stadtverwaltung setze hier aber falsche Prioritäten: Geld müsse erstens primär in die Anbindung der Immobilien ans schnelle Internet investiert werden. Dabei wäre ein Glasfaserausbau die beste Wahl, es eigne sich aber durchaus auch die geplante Anbindung einzelner Unterkünfte mit Richtfunk – eine Technik die auch die Freifunker bereits einsetzen. 270.000€ für eine solche Lösung seinen aber zu hoch angesetzt. Und die laufenden Internetkosten über das Netz der Stadtwerke, die die Freifunker auf 500-1000€ pro Unterkunft pro Monat schätzen, seien in der Beschlussvorlage nicht einmal enthalten.  

Zudem kritisieren die Freifunker die Priorisierung der Arbeiten: „Wieso wird z.B. eine bestehende und stabile Freifunk-Infrastruktur in der Alten Portland / Wormser Straße nicht weiter genutzt, während anderswo noch gar kein WLAN vor Ort existiert und nur marginale Bandbreiten über DSL möglich sind?“ fragt Altherr. Die Stadt sollte sich nach Ansicht der Freifunker zunächst darauf konzentieren, überall hochperformante Internetanschlüsse zu legen statt sich auf WLAN-Arbeiten zu stürzen und teilweise das WLAN vor Ort sogar neu aufbauen zu lassen. Für die WLAN-Versorgung vor Ort eigne sich auch keine Technik besser als Freifunk mit seinen leicht erweiterbaren Mesh-Möglichkeiten, erklärt Altherr.

„Wenn sie für einen breitbandigen Internet-Anschluss sorgt, könnte die Stadt in Zusammenarbeit mit Freifunkern in wenigen Tagen eine bessere WLAN-Grundausstattung in allen Unterkünften realisieren. Wir finden es sehr schade, dass solche pragmatischen Lösungen seitens des Sozialdezernats auch weiter nicht verfolgt werden und weiterhin keine Kooperation angestrebt wird.“ so Altherr abschließend.


Hintergrund: In den Unterkünften für Geflüchetete besteht bisher kein städtisches WLAN, obwohl seit 2015 bereits Menschen untegebracht sind. Mithilfe der Freifunk-Initiative haben die Hilfsorganisationen in den vergangenen Jahren eine rudimentäre Internet-Versorgung aufgebaut. 270.000€ will die Stadt nun in den Ausbau des WLANs für 7 Unterkünfte investieren und dazu die Mainzer Stadtwerke beauftragen: https://bi.mainz.de/to0050.php?__ktonr=91907

Weitere Hinweise: 

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moschlar
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270.000 Euro für WLAN an Mainzer Flüchtlingsunterkünften? Freifunk kritisiert Stadt

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Die Mainzer Freifunk-Initiative kritisiert die Pläne des Sozialdezernats, die morgen im Sozial- und Finanzausschuss auf der Tagesordnung stehen. 270.000€ sollen laut Beschlussvorlage für die WLAN-Installation in Unterkünften für Geflüchtete ausgegeben werden. Für das, was die Stadt damit plant, eine zu hohe Summe laut den Freifunkern, die bereits seit über 5 Jahren Geflüchtetenunterkünfte mit freiem WLAN versorgen.
„Als wir auf die Beschlussvorlage aufmerksam gemacht wurden, sind wir fast vom Stuhl gefallen“ erklärt Florian Altherr von der Mainzer Freifunk-Initiative. „Für uns ist unverständlich, wie man so viel Geld für WLAN-Installation an diesen Standorten ausgeben kann, zumal teilweise ja schon ein Freifunk-WLAN existiert.“ Die Kosten sind den Freifunkern zufolge um ein Mehrfaches zu hoch angesetzt. Die Freifunker sind außerdem verärgert über die abschätzigen Äußerungen über die von Ehrenamtlichen aufgebaute WLAN-Versorgung.

Die ehrenamtlichen Freifunker, die in Mainz, Wiesbaden und Umgebung insgesamt über 1300 freie WLAN-Netze für die Allgemeinheit frei und kostenlos zur Verfügung stellen, haben seit 2015 schon viel Erfahrung mit der Versorgung der Geflüchtetenunterkünfte: In enger Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen wurden in kürzester Zeit auch größere Unterkünfte wie das Allianzhaus in der Innenstadt (DRK), die ASB-Aufnahme auf dem Layenhof oder die von den Maltesern betreuten Unterkünfte z.B. in der Altem Portland / an der Wormser Straße oderder Alten Ziegelei mit WLAN versorgt und so Tausenden Menschen der Zugang zum Internet ermöglicht. Der Zugang zum Netz sei ein wichtiger Baustein der Integration und ein Grundrecht, wie die Mainzer Freifunker finden.

Schwierig gestalte sich neben dem WLAN vor Ort teilweise der „Uplink“, erklärt Altherr, also die Verbindung ins Internet, denn der Breitbandausbau sei auch in Mainz nach wie vor mangelhaft. Insbesondere der Glasfaser-Ausbau sei weiter im Verzug und für eine ehrenamtliche Initiative nicht zu finanzieren, aber auch über DSL die für große Unterkünfte benötigten Bandbreiten zu bekommen, sei schwierig. Die Freifunker halfen daher bei der Beschaffung alternativer vertraglicher Lösungen oder banden die Unterkünfte kurzum selbst mit Richtfunk über ihr bestehendes Backbone über den Dächern der Stadt an. Leider habe die Stadt Mainz den Freifunkern dabei in der Vergangenheit keine Hilfe geleistet und weder finanziell, noch personell oder organisatorisch unterstützt. Mit der Zurverfügungstellung von Dächern oder Netzwerken von Stadt, Stadtwerken oder KDZ wären die Geflüchteten schon längst schneller ans Netz angeschlossen, so Altherr.

Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung habe sich in den letzten Jahren insgesamt schwierig gestaltet: Bis heute habe die Stadt an keiner einzigen Stelle ein WLAN zur Verfügung gestellt oder einen Internet-Anschluss bereitgestellt, habe Freifunk-Aktivitäten teilweise sogar blockiert. Umso mehr verärgert sind die Freifunker daher über die abschätzigen öffentlichen Äußerungen der Stadtverwaltung in ihrer Beschlussvorlage, wo Freifunk fälschlicherweise als „störanfällig“ beschrieben wird. „Freifunk ist normales WLAN und nicht störanfälliger als jede andere und auch die geplante Lösung. De facto sind Menschen seit 6 Jahren über Freifunk online, während die Stadt bis heute keinen einzigen Anschluss realisiert hat“ resümiert Altherr. Die Ehrenamtlichen, die vielen Menschen seit 6 Jahren den Zugang zum Netz ermöglichen, obwohl die Stadt ihnen bisher Steine in den Weg legt, würden mit solchen Aussagen vor den Kopf gestoßen, so Altherr.

Die Stadtverwaltung habe eigentlich auch seit Jahren einen klaren Auftrag des Stadtrats, den Ausbau des Mainzer Freifunk-Netzes zu unterstützen, habe aber bislang keine Aktivitäten entfaltet und sei auf keine Kooperationsangebote seitens Freifunk eingegangen. Statt die Versorgung der Geflüchteten zu unterstützen, habe die Stadtverwaltung diese stellenweise sogar aktiv unterbunden, berichtet Altherr. Und von der angeblichen politischen Rückendeckung für Freifunk, die Ende letzten Jahres versprochen wurde, sei weiterhin nichts zu spüren. „Wir wurden vom Sozialdezernat seit Februar zwar zu zwei Gesprächen eingeladen, von einer Zusammenarbeit im Sinne des Wortes kann aber nach wie vor keine Rede sein. Bei Begehungen der Unterkünfte sollten wir nicht dabei sein und eine Abstimmung auf technischer Ebene fand bis heute nicht statt.“ Stattdessen bereite die Stadt nun eine neue Lösung vor, die auf einen teuren kommerziellen Anbieter setzt und wohl auch nicht an die bestehende Infrastruktur angebunden wird.

Die Freifunker wollen nicht falsch verstanden werden: „Wir finden es sehr wichtig, dass endlich in eine bessere Versorgung der Geflüchteten investiert wird. Gerade während der Pandemie ist das Internet ein wichtiges Tor zur Welt, besonders für die Schulkinder wäre ein guter Internetanschluss essentiell. Wir freuen uns, dass die Verwaltung sich nach über 5 Jahren überhaupt diesem Thema öffnet“ sagt Altherr. Die Stadtverwaltung setze hier aber falsche Prioritäten: Geld müsse erstens primär in die Anbindung der Immobilien ans schnelle Internet investiert werden. Dabei wäre ein Glasfaserausbau die beste Wahl, es eigne sich aber durchaus auch die geplante Anbindung einzelner Unterkünfte mit Richtfunk – eine Technik die auch die Freifunker bereits einsetzen. 270.000€ für eine solche Lösung seinen aber zu hoch angesetzt. Und die laufenden Internetkosten über das Netz der Stadtwerke, die die Freifunker auf 500-1000€ pro Unterkunft pro Monat schätzen, seien in der Beschlussvorlage nicht einmal enthalten.

Zudem kritisieren die Freifunker die Priorisierung der Arbeiten: „Wieso wird z.B. eine bestehende und stabile Freifunk-Infrastruktur in der Alten Portland / Wormser Straße nicht weiter genutzt, während anderswo noch gar kein WLAN vor Ort existiert und nur marginale Bandbreiten über DSL möglich sind?“ fragt Altherr. Die Stadt sollte sich nach Ansicht der Freifunker zunächst darauf konzentieren, überall hochperformante Internetanschlüsse zu legen statt sich auf WLAN-Arbeiten zu stürzen und teilweise das WLAN vor Ort sogar neu aufbauen zu lassen. Für die WLAN-Versorgung vor Ort eigne sich auch keine Technik besser als Freifunk mit seinen leicht erweiterbaren Mesh-Möglichkeiten, erklärt Altherr. „Wenn sie für einen breitbandigen Internet-Anschluss sorgt, könnte die Stadt in Zusammenarbeit mit Freifunkern in wenigen Tagen eine bessere WLAN-Grundausstattung in allen Unterkünften realisieren. Wir finden es sehr schade, dass solche pragmatischen Lösungen seitens des Sozialdezernats weiter nicht verfolgt werden und weiterhin keine Kooperation mit Freifunk angestrebt wird.“ so Altherr abschließend.

Hintergrund:

270.000€ will die Stadt in den Ausbau des WLANs für 7 Unterkünfte investieren: https://bi.mainz.de/to0050.php?__ktonr=91907

Weitere Hinweise:

Der Beitrag 270.000 Euro für WLAN an Mainzer Flüchtlingsunterkünften? Freifunk kritisiert Stadt erschien zuerst auf sensor Magazin - Mainz.

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moschlar
94 days ago
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Warum es egal ist, wenn gendern Dir nicht gefällt

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Ein Lesetipp zum Thema Gendersprache, der mal sehr genau erklärt, warum ich immer sage "der Zug ist da schon längst abgefahren: Es geht schon lange nicht mehr darum, ob gegendert wird oder nicht. Es wird gegendert, die Frage ist nur noch, wie":

Der Zug ist losgefahren, und da kann sich Friedrich Merz jetzt Sorgen machen, oder Herr Ploß kann das verbieten, und Sigmar Gabriel kann vorschlagen, dass nicht die Union, sondern der Rat für deutsche Rechtschreibung unsere Sprache weiterentwickeln soll... Nichts davon ist in irgendeiner Form außerhalb der Politik und des Wahlkampfs relevant, und nichts davon wird irgendeinen Einfluss darauf haben, wie es sprachlich weitergeht. Wir können nicht mehr zurück auf Los, der Fisch ist gegessen. Nichts davon berührt in irgendeiner Form die Grammatik des Deutschen abseits des Erwartbaren, und nichts davon lässt Linguist:innen nachts im Bett unruhig hin und her rollen.

Zu diesem schönen Artikel, der aus sprachwissenschaftlicher Sicht auf das Gendern schaut, hab ich auch noch eine Ergänzung. Ich möchte gerne auf den Vorwurf der "Sprachverhunzung" eingehen, der ja unweigerlich auftaucht, sobald irgendwo über Genderformen in der Sprache gesprochen wird.

Es gibt aus sprachwissenschaftlicher Sicht keine "Verhunzung" von Sprache. Es gibt nur Sprachevolution. Diese "Verhunzung" ist eine rein subjektive und emotionale Wahrnehmung. Wo die eigentliche Herkunft dieser Emotion auch klar verortet werden kann: Es handelt sich um ein Unwohlsein damit, dass etwas, womit wir aufgewachsen ist, sich so sehr ändert, dass es im Kern verschwindet - oder wir das Gefühl haben, es verschwindet und dass damit ein Teil unseres Lebens ausgelöscht wird.

Das sich daraus ergebende Anquengeln gegen Gendern entspringt demselben Schmerz, den wir verspürten, als die Postleitzahlen fünfstellig wurden oder die D-Mark abgeschafft wurde. Letztendlich ist aber nichts objektiv schlechter daran, es machte und macht die jeweiligen Dinge nur anders und löste und löst damit jeweils ein faktisches Problem, das in der alten Form und Vorgehensweise nur mit zusätzlichen umständlichem Workarounds oder gar nicht zu lösen war.

Insoweit sage ich immer, ich verstehe die Emotion, denn es ist schon krass, wenn Veränderungen einen Teil der eigenen Prägung in der Vergangenheit zurücklassen, weil sie in Zukunft keine Rolle mehr spielt oder sehr viel anders gilt/gehandhabt wird.

Aber wir haben die vierstelligen Postleitzahlen, die D-Mark oder - noch ein Beispiel - die DDR auch nicht behalten, damit Menschen, die damit aufgewachsen sind, sich nicht unwohl fühlen.

Daher bekommen Leute, die ihrer Sprache nachtrauern, von mir durchaus ein wenig Verständnis. Aber auch nicht mehr. 

Die Anpassung der Sprache an neue Anforderungen daran ist nämlich wichtiger und by the way auch unvermeidbar und Nostalgie (denn darum handelt es sich am Ende) ist kein objektiver und sachbezogener Grund, objektive und sachbezogene Schritte wie zB gesetzliche Verbote für Sprachformen zu beschließen, wie sie drolligerweise sich für ach so liberal haltende FDP-Herrschaften derzeit gerne fordern.

Diese Art der populistischen Erhöhung von Nostalgie als Politik gibts aber schon immer und ich seh sowas als relativ normalen Ausdruck von Fortschrittsschmerzen mit denen wir ständig leben und deren Lautstärke mit unserer Demografie zusammenhängt: Es gibt halt mehr alte Menschen als junge in der Gesellschaft. Es ist also genauso müßig, die zu beklagen.

Am Schluss noch ein Funfact, das vielleicht ein wenig erklärt, worüber wir hier eigentlich sprechen und warum die Frage, ob und warum irgendwas sich nicht ändern darf, außerhalb der ganz persönlichen Erlebens kein relevantes Thema ist: Auch ich fand die Umstellung der Postleitzahlen von 4 auf 5 Stellen damals schrecklich. Denn die vierstelligen Postleitzahlen waren die natürliche Ordnung, weil es sie schon gab als ich geboren wurde. Das war 1968. Lustigerweise fand ich aber irgendwann heraus, dass es das vierstellige Postleitzahlen-System bei meiner Geburt gerade mal 6 Jahre gab, denn es wurde erst 1962 eingeführt. Die fünfstellige Postleitzahl - eingeführt 1990, also 28 Jahre nach der Einführung der vierstelligen Postleitzahl - ist jetzt im 31. Jahr und existiert somit schon jetzt länger, als es die 4-stellige gegeben hat.

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moschlar
113 days ago
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Be Humble

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2020 was a crazy and challenging year. Millions of people lost their jobs and thousands lost loved ones. But not me. Not just that, I work in an industry where I can safely say that most of us didn't really have such a terrible 2020 all things considered. Yeah, the pandemic sucks and for those of us with kids at home home office was challenging for sure. But really just compare that with the experience people have and had that are not in such a privileged position.

And it's not just that programmers and IT folks in general had very little to complain about when it comes to the pandemic, we're a really, really privileged bunch in general. We get preferred visa treatment which makes us one of the most mobile work forces, our profession is universally recognized even if we did not actually get a degree, we can work from home and we're monetarily compensated in a way that even juniors coming from a few month training will out-earn many studied professions.

With all that money come a lot of inflated egos. This has always been a weird thing but over the last year it has really started to annoy me how tone deaf some folks are about their personal situation. All that money buys you a ton that many can only dream of. You can use that money to retire early, that money buys you the freedom to start your own company, that money is often enough money to get more money from investors.

It's nice that people can do that, but the nonchalant way in which this is presented online really starts to give my profession an awful reputation. Some of you might think that it's great you are all angel investors and serial entrepreneurs who work on dodgy immigration arrangements from different places in the world, who network on the latest and greatest social apps, share their lifestyle in their podcast armed with that fancy latte and craft beer and who are making a brand out of themselves.

I just have one ask: when you do that, be humble and reflect on your situation. Most people are not that lucky.

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moschlar
227 days ago
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IT modernisieren und konsolidieren

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Ich schrieb in einem Twitter Thread über Posix Dateisysteme vs. Object Stores:

UNIX FS ist 1974. BSD FFS ist 1984. XFS ist 1994. ZFS (und Btrfs und Wafl) sind LFS, also 2004. Object Storages, LSM, “RocksDB” ist ca. 2014, um den Takt zu halten.

und wurde gefragt: “Was kommt 2024”. Meine halb spöttische, halb ernst gemeinte Antwort war:

Irrelevant.

2024 läuft Dein Code serverless bei einem professionellen Betreiber und vom lokalen System und dem lokalen Dateisystem kriegst Du nix mehr zu sehen außer einer monatlichen Rechnung.

Rein in die Cloud

Selbst wenn es kein “serverless” ist, sondern eine VM oder ein Container: Wir haben dazu gelernt, und sind besser geworden. Deswegen sind aber auch unsere Standards und Anforderungen gestiegen und wir brauchen bessere Umgebungen.

Die Prozesse und die Technik lokal so aufzusetzen, daß man weiterhin compliant bleibt mit SOX, PCI und PII ist eine ganze Menge Arbeit, die nicht zur Kern-Mission der meisten Unternehmen gehört. Es ist auch ein Investment, das besser in geschäftsrelevante Bereiche ginge. Techniken und Infrastruktur bereit zu stellen, die in einem Amazon-like Environment “so da” ist wird immer schwieriger und teurer werden.

Ein paar Selbstverständlichkeiten

Auf der Minimum-Liste für alle stehen inzwischen Dinge wie

  • Single Sign On und Identity Management (SSO und IAM)
  • Rollenbasierte Access Controls (RBAC)
  • eine PKI
  • Encryption at Rest und Encryption in Flight
  • Administrator Roles mit Segregation of Duties
  • Mandatory Access Controls and Privilege Limits
  • Audit Trails
  • Complance und Audit von all dem

Und das ist schon mehr Arbeit als man als Firma mit einem eigenen RZ-Betrieb selbst leisten und erfinden kann. Es ist auch etwas, das so nicht fertig kaufbar und als Produkt installierbar ist, weil es eben nicht nur Technik ist, sondern auch Prozeß und Kultur.

Es sind aber alles Dinge, die man als Technik in einem AWS Environment oder einer anderen großen Cloud per Default bekommt und zu der es dann auch Unterweisungen gibt, die einem Best Practices und funktionierende Prozesse nahe bringen.

Dazu kommen dann Dienste, die in einem eigenen Rechenzentrum mühevoll oder teuer zu schaffen sind, die man aber in einer großen Cloud testweise oder produktiv dazu nehmen kann, ohne eigenen Aufwand zu treiben.

  • Geocoder
  • Spracherkennung
  • Bilderkennung
  • Integration in eine skalierbare Big Data Umgebung
  • Integration von Eventprozessoren
  • Event Driven Execution (“Step Functions”), die es auch Nicht-Codern erlauben, Anwendungen durch Zusammenklebeben von -aaS Diensten zu schaffen.

Aber das sind nur Beispiele aus hunderten von Diensten…

Nicht die Mission der meisten Betriebe

Das ist etwas, das einer traditionellen RZ-IT nicht zugänglich ist, und das auch unverhältnismäßig viel Kapital, Investment und Personal binden würde, würde man es selbst lokal entwickeln. Schon so etwas simples wie RDS funktkioniert besser und automatischer als alle selbstgestrickten DevOps Managementscripte für Datenbanken, die man selbst haben kann.

Druck kommt nicht nur aus dem Management und aus der Compliance, sondern auch von unten: Die aktuelle Generation von Entwicklern hat nie mit einem lokalen RZ gearbeitet, sondern ist in AWS groß geworden. Sie setzt die Qualität der Implementierung und die Prozesse von Amazon als gegeben und als Maßstab voraus. Sie setzt die Leichtigkeit von Operations und Observability voraus, die für eine Cloud-Umgebung typisch sind.

Deswegen ist die Zukunft von 2024 mindestens hybrid. Aber effektiv wird kein Betrieb mit einem lokalen Rechenzentrum und reinen IaaS-Angeboten noch groß Stiche holen.

Das ist einer der Gründe, warum Europa als Technologieraum zunehmend abgehängt ist. Nicht nur viele Politiker und Entscheider verstehen nicht mehr, was in den letzten 10 Jahren passiert ist, sondern auch viele Sysadmins “on the ground” haben die Veränderung des Entwicklerbetriebes in den letzten 10 Jahren grundlegend verpaßt und können nicht erkennen, welche Gestaltungsdrücke gerade auf ihrer Umgebung lasten.

Das sehen wir nicht nur in der “deutsche Schulen in COVID” Videokonferenzdiskussion, sondern auch in der ganzen Klasse von BOFH-Bemerkungen, die aus dem Sysadmin Lager oft kommt. Ich habe dazu vor über fünf Jahren schon einmal was gemacht: Slides: Go away or I will replace you with a very small Shell script - ein paar Gedanken zum Thema Devops (Video von der Froscon Version).

Die Frage ist nicht, wie ein lokales Rechenzentrum Rechner betreibt und bereitstellt - das ist ein gelöstes Problem. Sondern welche Dienste sie darauf fertig im Angebot haben, ob diese Dienste mit aktuellen Standard und Anforderungen in Compliance sind, ob sie eine API haben, und sie mit lokalem Tooling integrierbar sind.

Integration und Bildung von untereinander abhängigen Systemen

Wir sind dabei, von individuellen, frei stehenden und trennbaren Teilen zu integrierten Systemen zu gehen. Das hat Vorteile, weil so Prozesse entstehen und eingeübt werden, die meßbar Qualität verbessern und - wichtiger noch - automatisieren.

Das ist nicht nur im Bereich Betrieb mit der Cloud so, sondern ist ein größerer Trend, der auch in der Software-Entwicklung sichtbar wird: Entwickler arbeiten nicht mehr mit vi im leeren Editor, sondern haben in der Regel Sprachen mit umfangreichen Bibliotheken und Integrationen im Betrieb. Das hat Folgen.

In der Entwicklung: Wenn es keinen JetBrains-Editor für die Sprache gibt, wenn sie von gitlab und github nicht erkannt und ausgewertet wird, wenn sie keinen Dependency-Manager und keine CI/CD Integration hat, dann ist eine moderne Programmiersprache - Entschuldigung - Plattform - Entschuldigung - Ökosystem nicht vollständig und nicht mehr konkurrenzfähig.

Wenn eine Sprache nicht von einschlägigen Security- und Audit-Werkzeugen unterstützt wird, wenn sie nicht bei SonarQube oder ähnlichen auf der Liste steht, wenn sie nicht von Valgrind, Fuzzern und anderen Werkzeugen unterstützt wird, dann hat eine moderne Programmierumgebung in einem Enterprise-Umfeld zunehmend Schwierigkeiten, die steigenden Compliance-Anforderungen im Bereich Software-Entwicklung und Qualitätssicherung zu erfüllen.

Im Betrieb: Ohne Identity, PKI, SSO, RBAC, Segregation of Duties, Encryption überall, Auditing und enforceable maximum permissions hast Du Compliance Probleme oder wirst sie bald haben. Und ohne eine API für alles, Tooling für diese API, Infrastructure als Code, Codified Practices wie CI/CD hast Du keine attraktive und effektive Entwicklungsumgebung für Deine eigenen Leute.

Das sind aber Gedanken und Entwicklungen, die in Deutschland an Politik und an Teilen der “Informatikschaffenden” vorbei gegangen sind, oder belächelt worden sind.

Raus aus der Cloud

Offensichtlich sind Server Wurst. Die Frage ist mehr, was da drauf läuft, welche Dienste und Integrationen bestehen. Das ist mit einem IT-Team von 4-5 Leuten vor Ort nicht sinnvoll zu schaffen, sondern im günstigsten Fall ein blankes IaaS, nicht unbedingt von der guten und vertrauenswürdigen Sorte.

Schau Dir an, was zum Beispiel Scaleway oder OVH macht, oder 1und1 in Deutschland. Das sind fitte Teams, die eine Menge weg schaffen. Aber deren Clouds sind relativ dienstfreie IaaS-Clouds mit ein wenig Object Storage, und alle größeren Dinge mußt Du Dir selbst auf deren IaaS ansibilisieren.

Das ist aber der Stand von 2010, nicht 2020. In 2020 ist ein Cloudkunde hinter Diensten her, damit er die nicht selbst betreiben muß.

Es ist ja nicht nur unwürdig, HPE deren defekte iLOs und kaputte Festplatten-Firmware zu debuggen, sondern man will sich auch einfach ein MySQL oder Postgres klicken können. Oder gar einfach “einen KV Storage benutzen” und Dein Zeugs in ein Dynamo kippen und Dich gar nicht mehr um Instanzgrößen kümmern müssen, sondern nur noch für Storage und Zugriff nach Verbrauch bezahlen.

Und an dieser Stelle kommt wieder die Politik durch.

Arbeitsteilung beruht auf Vertrauen. Vertrauen kommt aus Transparenz und Verläßlichkeit

Das funktioniert mit den Diensten nämlich ganz wunderbar in der “Arbeitsteiligen Gesellschaft™” - wir nennen so etwas Zivilisation. Nur, wenn wir zivilisiert, verantwortungsvoll und vertrauensvoll miteinander umgehen, dann kann man sich selbst die Arbeit mit den ganzen Diensten schenken und jemand anders beauftragen.

Dazu sind bestimmte gesellschaftlichen Bedingungen notwendig, die zu schaffen sind. Wir brauchen ein System von Checks und Balances, internationalen Verträgen und Business Practices, und dann ein System von Kontrollen und Vertrauen in die Wirksamkeit dieser Kontrollen, damit wir zivilisiert cloudcomputen können.

Wenn Du aber einzelne Nation States hast, die technisch gesehen als Attacker da stehen (“Nation State Attacker”, “NSA”) und sich das auch so vorbehalten, dann ruiniert das die Geschäftsgrundlage für die arbeitsteilige Gesellschaft, mithin die Zivilisation selbst.

Wenn Du einzelne Anbieter hast, die über die Verarbeitung und Nutzung der Daten nicht transparent sind, oder man den von ihnen vorgezeigten Audits kein Vertrauen schenken kann, dann … genau dasselbe.

Und wenn Du eine Politik hast, die ein Klima schafft, in der das Verständnis dieser Tatsachen geleugnet oder ignoriert wird, dann ruiniert das dieses Konzept schon.

Das ist genau das, was Gestalten wie Trump, BoJo aber auch von Storch zerstören, wenn sie Isolationismus, Staatswilkür und Ignoranz gegenüber internationaler Ordnung demonstrieren. Das ist aber auch das, was Gestalten wie Audi Scheuer und sein Meister, Imperator Seehofer vernichten, denn solche vorgelebte Unfähigkeit und Korruption saugen der Zivilisation das Rückenmark aus. Das ist dann das, was zu Dingen wie Wirecard führt, zum Dieselskandal und zu Situationen, bei denen ein Volkswagen-Compliancemanager bei der Dokumentation illegaler Geschäftspraktiken auf eine Weise zu Tode kommt, die in jede Netflix-Mafiaserie gepaßt hätte.

In so einem Umfeld ist eine Auslagerung der IT an Dritte für Unternehmen ein bedenkenswertes Risiko statt eine Erleichterung.

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moschlar
332 days ago
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